Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 1. Teil
Entstehung
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sich bei den Dichtern nach ihrer Begabung dieser Unterschied ausprä- gen oder in ihrer Entwicklung nachweisen lassen. So sind Martin Greiſs frühere Balladen meist lyrisch, die späteren episch. Auch er behandelt antike Stoffe(Xenophon,Ariadne auf Naxos,Prinzessin Rhodopis), aber auch solche aus dem alten Volksglauben und aus fernen Ländern (Die Schönen von Landsberg,Die Glocke von Speyer,Calderon, ͤDer Krieg der Heinriche,Leopoldsberg,Der Torso des Belvedere*), aus der mitteldeutschen und vaterländischen Geschichte:König Hakon, Kaiser Karls letzter Heereszug,Das Mahl ohne Brod,Der Sieger von Torgau,Der lustige Trompeter; die Klostergeschichte von den Mönchen von Dunewala ist humoristisch gehalten.Das Märchen vom klagenden Lied in sechs Balladen ist nach Uhlands Muster gedichtet. Frau Holle,Sunnwendnacht,Osterei,Barbarazweige bringen mythische Stoffe. Das Geschichtliche der Naturstimmung spricht das GedichtAuf dem Schlachtfeld von Waterloo aus, eine frei erfundene Ballade istHusarendurchmarsch. ImKönigssohn wechseln die Bilder zu rasch. Karl Wörmann pflegt die antike Ballade(Neue GedichteDas Wiedersehen,Menelaus,Helena). Hermann Friedrichs nennt seine GedichteGestalten und Empfindungen, es ist ein Bildersaal voll plasti- scher Gestalten(Octavia), zwölf Balladen im alten Rom. Er hat eine Kraft der Zeichnung, die sich unauslöschlich einprägt, weil eben der Dichter, wie Albrecht Dürer sagt,inwendig voller Figur ist. Joh. von Wildenrath Balladen(Zwölf Balladen) haben Ton und Gestalt, aber zu wenig von dem echten Balladensilber. Dingelstedts Gedichte dieser Art nehmen ihren Stoff aus der Gegenwart und behandeln denselben mit jener pointierten Art und feinem Arom, das diesem Meister der Rede in ganz besonderer Weise eigenthümlich ist. Das latente, innere Feuer, das durch diese Gedichte geht, sprüht in geistvollen Blitzen in jeder Strophe auf. Auch ein kräftiger Humor steht ihm zu Gebote, wie seine ZopfballadeDas Gespenst der Kattenburg zeigt. Theodor Kirchhoff hat in seinen Kalifornischen Balladen(Die Gräber am Donnersee) die exo- tische Ballade gepflegt. Ludaig Ganghofer(Bunte Zeit,Heimkehr) stimmt den kräftigen Ton in seinen Balladen an, der ihr eignet. E. Eggert greift ins moderne Leben(Eine Chansonettensängerin,Der Schlaflose, Der Sünderin Weihnacht), aber er versteht es historische Situations- bilder im großen Freskenstil zu entwerfen(Petrus und Paulus,He- rodes Tod). H. Freimuth(Neue Accorde) greift ebenfalls in's volle Le- ben(Eine Tramfahrt,Das Gespenst,Der Sturmwind der Todten, Der todte Klaus,Job White) und besitzt keine geringe Gestaltungs- kraft. Oskar Linkke(Buch der Bilder und Balladen) leistet Bedeutendes im historischen Situationsbild und folgt Linggs Spuren(Seneca), aber auch Uhland war ihm Muster.

Hermann Oelschläger bringt in seinenGedichten Bilder aus dem Leben und der Geschichte, die zu den wertvollsten poëtischen Gaben unserer Zeit gehören; auch fehlt der Humor nicht.

Wie viele bedeutende Dichter haben die Ballade nebenbei gepflegt, ohne ihr den rechten Griff abgewinnen zu können! Die Schminke einer peinlichen Technik kann für den Mangel an innerem Gehalt keinen Er- satz bieten. Andere Dichter, die nicht zu den hervorragenden gehören, haben hier einzelne Kunstwerke geschaffen, die in dem Schatzkasten der Literatur als echte Juwelen glänzen. Man lese Anton von Schullerns BalladeGuter Tod, Ferdinand Heitemeyers kräftige Balladen aus der deutschen Heldensage, sowie die Hans Herrigs aus demselben Stoffgebiet,