57
„Wellenzauber,“„Kornmuhme,“„Johanniszauber“). P. J. Willateen be- handelt ebenfalls nordische Stoffe. Graf Ad. Fr. von Schack preist in männlich ernsten Balladen den Heldenmuth des Kämpfers, der klaglos sein Leben für den Sieg einsetzt, sein Glück dem allgemeinen Wohle zum Opfer bringt:„Der Husar von Auerstädt,“„Der Triumphator,“„Me- tella.“„Evadne,“„Stesichorus“ sind vom griechischen Geiste durchhaucht. Nirgends wird bei A. F. Graf von Schack die knappe Balladenform an- gestrebt, obschon einzelne Stoffe wie„Berenice“ dazu einladen. In scharf- psychologischer Zeichnung und glänzender Sprache spricht sich seine Be- geisterung für die großen Gestalten des Alterthums aus. UÜberall herrscht der ungehemmte breite lyrische Erguss. Hans Hopfen besingt in referie- render Mittheilung„Die Sendlinger Bauernschlacht.“ Julius Wolff hat die Ballade nach Form und Inhalt wie Bürger behandelt und auch die moderne Ballade kräftig angestimmt:„Die Fahne der Einundsechziger,“ „Die Frau des Rathssecretärs.“ In WFilhelm Herte„Gedichten“ sind die epischen Darstellungen Uhlands nachgebildet im Stil, Ton und Vors- maß. Die nordische Sage und die Geschichte der älteren, germanischen Stämme, der Hexen- und Geisterglaube des Volkes regen den Dichter zu seinen epischen Gedichten an(„König Etzels Tod,“„Helgi und Hedin“*).
Paul Heose hat Balladen im Stil der spätern kunstvollen Balladen Goethes gedichtet„Das Thal des Espingo,“„Die Mänade,“„Der Schenk von Erbach.“ Durch Festigkeit der Zeichnung und Gedrungenheit der Composition zeichnen sich die Balladen des Schweizers Conrad Ferd. Meyer?) aus:„Kaiser Friedrich II.,“„Der Gaukler,“„Das Münster,“„Das kaiserliche Schreiben,“„La Blanche Nef,“„Conquistadores,“„Michel Angelo,“„Konradins Knappen,“„Bettlerballade,“„Das Heiligthum“ lftrüher„Der Druidenhain“«„Die Rose von Newport,“„Der Gesang der Parzen,“„Der Ritt in den Tod,“„Das Goldtuch.“(die beiden letzten werden durch Ubertreibung der Knappheit dunkel)„Das Auge des Blin- den,“„Der Berg der Seligkeiten,“„Der gleitende Purpur.“ In vielen seiner Balladen waltet der Contrast, so in letzterer„Fürst und Bettler,“ „Flucht und Sieg,“ die einander gegenüber gestellt sind. Die letzte Strophe in knapper Fassung das Gedicht schließend ist fast selber wieder eine Ballade. Die kraftvolle Sprache im„Hugenot“(„ie Füsse im Feuer“) wirkt mächtig auf den Leser. Auch Humor steht ihm zu Gebote(„Die drei gemalten Reiter,“„Mit zwei Worten“*). In der Ballade„Pilger und die Sarazenin“ wendet der Dichter als Kunstmittel die Rahmenerzählung an. Der Mönch im Kloster am Libanon erzählt uns in stimmungsvoller Beleuchtung die Geschichte. Albert Matthaei(Gedichte) hat in seinen Balladen„Der Nibelungen Uberfahrt.“„Königsfiedler,“„Der Alte vom Berge,“„Die Frau vom Steine,“„Der arme Pobët,“ vor allem aber in dem herrlichen Gedicht„König Edwys Beichte“ Dichtungen geschaffen, die den echten reinen Balladenstil zeigen; aus dürftigen, historischen Erzäühlungen weiß er mit plastischer Kraft Meisterwerke herauszuarbei- ten. Die kunstvolle Composition, der große Aufbau in knapper Form,
*) C. Ferd. Meyers„Balladen aus dem Jahre 1864“ enthalten 20 Gedichte. In der neuen 3. Auflage sind die meistensderselben vollständig nen bearbeitet, selbst die Titel sind geändert. Mit welcher musterhaften Sorgfalt hier der Dichter vorgegangen, ist sehr lehrreich. Vgl. darüber Emil Milan(C. F. Meyers Balladen in ihrer alten und neuen Form. Beil. z. M. Allg. Z. 158. Jgg. 1891.) Die Sprache zeigt jetzt überall die gedrüngte Kürze. der Stil wird dramatisch, statt des Trochäus tritt der vorwärtstrebende Jambus ein. Mit wenig Worten wird ein ganzes Bild gegeben.


