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und die Prägnanz des Ausdruckes(„Das Todtenfest von Thirlestan,“ „Die Königin von Ganore“). August Becker hat in„Des Waffenschmieds Töchterlein“ den Ton der Volksballade vollendet getroffen:„Wer aber hat gemacht das Lied, Wer aber hats gedichtet? Es war auch ein junger Waffenschmied, Dem war seine Hoffnung zernichtet.“ Ein hochbegabter Balladendichter ist Christian Schad(„Die Nonne von Lich,“„Old Bob“¹). Erstere Ballade hat das Ahnungsvolle und tief Ergreifende, im Gemüth lang Nachschwingende der Volksballade, letztere ist von großer Origi- nalität. A. Möser nennt seine„Geschichten und Sagen“ gar nicht mehr Romanzen und Balladen. Er besitzt in den Gedichten aus der alten Ge- schichte das echt antike Pathos(„Achill,“„Orest,“„Kalypso,“„Sokra- tes,“„Alkibiades“), weiß aber auch mittelalterliche und moderne Stoffe voll Schwung und Knappheit zu behandeln(„Die Kreuzfahrer,“„Kaiser Max,“„Ein Königsherz,“„Mars-la-Tours,“„Langensalza“). Denselben Stoff hat auch von Gottschall kräftig behandelt; in seinen volltönenden Balladen spricht ein erhebendes Pathos, das uns mächtig ergreift, er liebt die modernen Stoffe und weiß ihnen die rechte Pointe abzugewinnen, aber auch die antik-historischen Stoffe sind mit feiner Künstlerhand be- handelt(„Miramare,“„Gordon,“„Aspasia,“„Ovid“) und romantische („Der Edelknabe“) feurig dargestellt.
Adolf Bubes Romanzen und Balladen haben reiche Farben und volle Stimmung(„König Hako“); aber nicht die schlagende Kraft der echten Ballade, sie sind gekünstelt.
Julius Minding feiert Helden der neuen Zeit in volksthümlicher Weise(Zorndorf, Fehrbellin).
Die nordische Ballade ist in ihrem Eindruck für uns immer fremd- artig. Diese Recken und Seekönige mit der nordischen Mythologie im Hintergrunde sind uns nicht so vertraut wie den Skandinaviern. Der altnordische Ernst und die altnordische Einfachheit der alten Balladen lässt sich nicht so leicht nachahmen, wenn auch einzelnes gelungenes vorhanden ist. In neuester Zeit hat Helene von Engelhardt dies versucht in ihren normannischen Balladen. Die gesucht alterthümelnde Ballade findet sich bei Simrock. Er versteht es das alte Metall der Sage umzu- schmelzen, so„Berta die Spinnerin.“ G. v. Schulpe(„Nordische Klänge“) bearbeitet die germanische Göttersage, er will die hehre nordische Sa- genwelt mit ihren gewaltigen Gestalten, die kühnen, hochmächtigen Ger- manenhelden durch den Zauber der Dichtkunst auferstehen lassen*). K. Lappes nordische Balladen sind zu breit und redselig(„Die Tochter von Hiddensee und der Meermann“*). In der weitschweifigen Behandlung geht auch der beste Balladenstoff unter. Statt der 44 Strophen(die Strophe ist allerdings glücklich gebaut) ließe sich die Ballade auf die Hälfte bringen ohne Schaden für die Dichtung.
Hermann Hölts Balladen aus der Tiefe der germanischen Götter- welt geschöpft und in vollendete künstlerische Form gegossen stehen den bodeutendsten deutschen Balladen ebenbürtig zur Seite(„Malmers Heim- holung,“„Fros Werbung,“„Waltars Tod,“„Lokis Fesselung,“„Götter- dämmerung“¹).
Wolfgang Kirchbachs Gedichte„Götter und Gestalten“ sind Ge- stalten der classischen oder deutschen Mythologie(„Die Nixenballade“
*) Val. Mythologische Gedichte, gesammelt von G. v. Schulpe und die Einleitung dazu von Felix Dahn.


