Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 1. Teil
Entstehung
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Durch Goethe und Schiller waren große und herrliche Muster der

alten und neuen Ballade aufgestellt, dort an die Volksdichtung anknäü- fend, hier Kunstdichtungen von edlem Gehalt und ergreifender Macht les Ausdrucks. Der Einfluss der Schillerschen Balladendichtung war ein mächtiger. Er verdrängte längere Zeit die Goethesche Art der Balladen- dichtung, die gewiss den Grundcharakter der Ballade reiner wieder- gab. Es war dies durch den Charakter der Schillerschen Dichtung leicht erklärlich. Die edle reine Form, das mächtige Pathos der Rede, der künstlerische Aufbau, das declamatorische Element wirkten auf lange Zeit fort. Auch war diese Art leichter nachzuahmen, als die Goethesche. Das Formschöne war leichter zu fassen und fand durch die ganze Bil- dung der Zeitgenossen begründet einen offenen Weg zu den Geistern.

Charakter der Literaturgeschichte spricht, das unwissenschaftliche Vorgehen in literatur- geschichtlichen Darstellungen getadelt, nur die großen und hervorragenden Werke zu be- trachten und die dazwischen liegenden ärmeren Perioden zu übergehen, während doch in ihnen in ganz gleicher Art die historische Entwicklung fortzuschreiten gewohnt ist. Wenn sich der Forscher durch den ästhetischen Wert der Productionen einer Periode in seinem historischen Urtheil darüber bestechen lässt, so ist dies nicht minder unwissenschaftlich, wie wenn ihn die weniger ansprechenden Hervorbringungen einer Epoche von der ge- bürenden Betrachtung derselben abhalten. Umsomehr muss es getadelt werden, wenn ein absprechendes Urtheil über bedeutende Leistungen gefällt wird, weil diese nicht gerade in die Anschauung passen, die man sich von einer poëtischen Art gebildet. Die Kleinepik hat eine historische Entwicklung und eine so große Ausbreitung, dass jede eigenthümliche Erscheinung in ihr die gebürende Betrachtung verdient.

Die treffenden Bemerkungen über die Ballade, wie sie Baumgart gibt, haben ihren hohen Wert für die Begriffsbestimmung der eigentlichen Ballade und für die Romanze, denen hiermit ihr eigentliches Gebiet angewiesen werden soll. Aber allerdings bilden die sogenannten Balladen Schillers und seiner Nachfolger, Uhlands und der neueren Dichter auch eine Fortbildung dieser Dichtung nach der epischen Seite hin, die man nicht so ein- fach mitpoëtische Erzählung bezeichnen kann. Der echte Balladendichter wird wohl immer das Handlungsbild zurückMdrängen, um die Handlung in Stimmung zu tauchen, aber immerhin hieße es den hohen eigenen Wert der nach der epischen Seite hin reichen mit Handlung ausgestatteten Ballade verkennen, wenn man an sie nur den Standpunkt des Ethos allein als den giltigen anlegen wollte. Auch so bildet der Blütenflor dieser Gattung noch so reiche Unterschiede, dass eine genauere Betrachtung derselben nicht ohne Wert ist. Aus der Nachahmung der Volksballade sind, wenn diese Gattung in die rechte dichte- rische Behandlung kam, herrliche Werke der Kunstballade hervorgegangen(Goethe), aber der dichterische Genius schafft für diese Gattung auch noch eigene Formen, denen der Namepoëtische Erzählung zu wenig gibt. Ebenso unrichtig ist Hildebrands Urtheil II. 398:Der mysteriöse Zauber des Romantischen, die eigentliche Seele dieser Dichtart, dessen Schiller überhaupt nicht recht mächtig war, wird durch die zu gedehnte Be- handlung noch mehr geschwächt. Solche Urtheile sind wie das bei Baumgart(Poétik) falsch, weil sie zu einseitig an gewisse Merkmale sich halten, so sagt Zernial,Zeitschrift für das Gymnasialwesen:SchillersAlpenjäger zu den Balladen zu rechnen, will mir nicht in den Sinn, weil die Dichtung eine allegorische ist; als ob die Ballade einen sol- chen Charakter verschmähte Brock will gern in seiner Suche nach den Grundideen im Alpenjäger versinnbildlicht sehenjene weltstürmenden Helden von der Art Napoleons, welche ihre Welt mit Schrecken ertfüllen, bis eine höhere Hand ihnen Halt gebietet. Vgl. zu Schillers BalladeDer Handschuh Dr. Markus Landau Beilage Nr. 36 der Münch. allgem. Zeitung 1884 und Adolf Pichler Nr. 104 1884 eben da, wo erwähnt wird, dass Guarinoni in seinem WerkeDie Greuel der Verwüstung menschlichen Geschlechtes 1610 S. 183. 28. Cap. auch schon den Stoff erzählt. Wir haben es bei diesem Stoff mit einer uralten Mythe zu thun, die, wie es so oft vorkommt, in ihren verschiedenen Bearbeitungen im Laufe vieler Jahrhunderte so entstellt und verändert worden ist, dass sie kaum mehr zu erkennen ist. Ihr Ursprung ist: Sigurd reitet durch die Waberlohe, um Brünhilde zu gewinnen, die gelobt hat, keinen sich zu erwählen, der sich fürchten könne. Verhältnis- mäßig am reinsten hat sich noch die alte Überlieferung in einer spanischen Romanze er- halten, die Schiller nicht kannte,Die Romanze von Don Manuel de Leon. Felix Gras des provencalischen BalladendichtersIacoumino ist eine Variante vomGang nach dem Eisenhammer.