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wie„Hans Leu.“ Wie Meissner, zeigt auch hie und da F. W. Gotter mehr Verständnis für die Ballade.„Blaubart,“„Die Trauer,“„Sibylle oder die strenge Mutter,“„Röschen und Lucas,“„Antiochus und Stratonice,“ „Der Edelknabe,“„Tarquin und Lucrezia“ sind Romanzen in diesem Sinne.
Friedrich Leopold Graf zu Stolberg hat in seinen Balladen keine klar abgerundete Bildkraft, die Verstiegenheit und das Streben nach Größe machen sie keineswegs zu Musterbildern dieser Gattung. Bekannt sind:„Die Büßende,“„Rudolf.“ Erstere breit und geschwätzig:„Unsere Frauen zu belehren, hab ich solches kund gemacht, Und in saubre Reim- lein bracht.“
Christian Graf zu Stolberg dichtete„Die weiße Frau,“ 7 Balladen, ein Nachklang von dem Spasston der Bürgerischen Romanzen am un- rechten Ort und zur übelsten Zeit, wie Gervinus dies treffend bezeichnet. „Wolfenschieß,“„Ida,“„Die Heldinnen von Zürch“ sind in seinem Schauspiel „Wilhelm Tell“ als Chorgesänge eingereiht. Die drei Romanzen Tiedges „Die Blume der Lauenburg,“„Robert und Klärchen,“„Jenny“ sind thrä- nenselige Geschichten, wie sie die untergeordneten Balladen Bürgers und anderer Nachahmer von ihm enthalten. J. M. Miller(„Der Gärtner“) schlägt einen reinen Ton an.
Friedrich Müllers Balladen„Der Riese Rodan,“„Der rasende Geldar“ sind pathetische und schwülstige Dichtungen. Das„Braune Fräulein“ hat den echten Balladenklang, ist aber mit seinen mehr als achtzig Strophen zu breit und fällt in den gemeinen Ton.
Kosegartens Balladen sind meist gelungen, leider zu wenig knapp in der Form:„Schön Hedchen, Schön Sidselil und Ritter Ingild, Köni- gin Anna, Die Königskinder, Die Gefangenen, Eleonora und Julie, Ad- miral Hosiers Geist, Odins Höllenfahrt.“ Dänische, schwedische, englische, isländische, deutsche Volkslieder gibt er in gelungenen Reproductionen.
Matthissons Romanze:„Das Fräulein im Thurm,“ ist gestaltlos und wenn der Dichter in der Schlussstrophe„ob einer Silberwolke bei Nacht das Fräulein schwebend manchen Hirten sehen lässt,“ so ist das der bekannte Matthissonsche Klang.„Das Abenteuer des weisen und tapferen Ritters Olm“ ist eine Satire; er nennt sie aber Romanze. Dafür sind wohllautende Gedichte die der Friedrike Brun, die Matthisson herausge- geben.„Das Grab der Liebe“(Ballade),„Trennung“(Romanze). Eine gute Romanze, die das Ahnungsvolle, Unausgesprochene an sich hat, ist J. H. Kinds„Das Licht im Thal.“
Die Ballade wurde bald eine Lieblingsgattung der meisten Dichter, man suchte die alten, längst vergessenen Balladen, die in verschollenen Liedern noch hie und da oft in abgelegenen Winkeln des deutschen Lan- des in kümmerlichen Resten lebten, wieder lebendig zu machen. Die ernste, rauhe Schönheit der englisch-schottischen und nordischen Balladen hatte die für echte Poësie empfänglichen Naturen tief ergriffen und die Sehnsucht nach einem gleichen Fund erweckt. D)as früher verkannte und verachtete Volkslied wurde aufgespäht, hinter dem oft stammelnden Laut der alten Ballade wurde ihre ursprüngliche Schönheit, erkannt.„Das deutsche Volkslied irrte damals noch unerkannt mit Wan- derern und Schiffern auf Pfaden und Strömen, fuhr mit dem Bergmanne in die Tiefe oder jubelte und klagte mit Bürgern und Bauern. Herder bemerkte sein Dasein, Goethe gewann es lieb wie seine Seele“.*)
Auch aus dem Süden strömten jetzt die freundlichen romantischen Lieder herauf und wirkten ebenso anregend auf die Dichter. Ein frischer,
*) Goedeke, Einleitung zu Goethes Werken.


