Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 1. Teil
Entstehung
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redte Entwicklung. von der Vischer IV. 1360 bei der Ballade spricht. In einer Zeit, wo durch den Zufluss der französischen Poësie nicht die

Leidenschaft in ihrer erschütternden Gewalt, sondern die Convenienz

sich auf der Bühne breit machte, war die Rückkehr zum Volksmäßigen

vom Formschönen zum Naturalistisch-Schönen, wie sie sich jetzt vollzog' gerade für die Ballade ein günstiges Moment. Der frische, productive Zug' dieser Zeit, der sich etwa an nichts Größeres wagt, konnte hier in knap- perer Form als in der Dramatik seine Gestalten zeichnen. Hatte ja Max Klinger es ausgesprochen:Ein Charakter voll Gradheit, Biederkeit, Muth, Beharrlichkeit, Starrsinn greift ins Herz des deutschen Volkes. Der all-

emeine Beifall, den Bürgers Kunst gerade in den bürgerlichen Kreisen and, musste die Dichter ermuntern, den Weg weiter zu betreten, auf dem ohne schwierigere Vermittlung Erfolg zu erwarten war. Dem Buch- händler Nicolai war die Naturpoësie aus innerster Seele zuwider; er gab 1777 78 zwei kleine Sedecbändchen heraus:Ein feyn kleyner Alma- nach etc.; die meisten der mitgetheilten Lieder sind echt und stammen

aus den 1547 gedrucktenBergreihen. In der Vorrede eifert Nicolai gegen die Carricaturen des Volksliedes, welche in den Balladen(verfei-

nerten Volksliedern) Löwens, Schiebelers, Bürgers zum Vorschein kamen. Auf diese Weise trug Nicolai trotz seines Hasses gerade zur Förderung der Kenntnis des wirklichen Volksliedes bei.

Von einigem Interesse sind A. G. Meissners BalladenDie weiße Frau,Der Fels der Liebenden,Das Mägdlein(letztere nennt er aus- drücklichBallade).Römische Annalen travestieren, wie Blumauer die Aeneide, so die Geschichte von Romulus. In seinen Singspielen sind Ro- manzen eingestreut(soTell undLyda). VonSchön Ulrich undRoth- Aennchen sagt er, es seien oberlausitzische Volksgesänge, die er selbst in seiner Jugend singen gehört habe; freilich habe er sieergänzt. In Schön Ulrich erinnern Stellen wieWas siehst du so verstört, Was hast du gemacht mit deinem Schwert, Es sieht ja aus, als ob es blutig wär an die bekannte schottische BalladeEdward Als Anhang bringt Meissner ein paar Gedichte historischen Inhalts oderechte Volksballaden. Das Lied von derKönigstochter und dem Grafen(Nach- ahmung der Geschichte des Pyramus und der Thisbe) offenbar wenigstens schon aus dem 16. Jahrhundert wie die Sprache, und von einem schwä- bischen Dichter, wie die Provincialismen es bezeugen.Die zweite kann ihr Vaterland noch minder verleugnen und hat einen derjenigen Stoffe, an welchen es die Adelsgeschlechter der mittleren Zeiten nie gebrechen lassen.Dass ich ihnen das Volksliedmäßige auch nicht um one Silbe verkürzt habe, ergibt der Augenschein. Es ist dies das Lied vimLin- denschmied.

Der fruchtbare Langbein flel entweder in den Bänkelsängerton wie in derWeißen Rose, oder er pflegte die komische ErzählungDer Ka- ter. Er nannte alles Balladen und Le barasn.Der steinerne Freund,Das Glockenseil,Der goldene Hut,Peters Heirat,Das blinde Ross,Der Strohmann,Der Papagei,Die goldene Gans. Kuch solche Gedichte, wie das RäthselDer Mund und die Augen,Herr Ego, die alles andere sind, nur nicht diese Art, stehen unter der Rubrik Ballade und Romanze; ebenso die GedichteDie Büßßerin,Das Weizenorakel,Die Feuers- brunst,Der Zaubertisch,DassSpielzeug(Vorläufer von Chamissos Riesenspielzeug),Die Hinterthür,Der graue Rock,Die arme Frau und der Mönch,Der Liebenbach,Die Fastnacht. Mitten darunter stehen Legenden wieNotburga,Der Félsenhut und Volksmärchen

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