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dern und Deutschen Eins sei,“ diesen Satz führt Herder im 3. Buch (Sammlung der Volkslieder) durch. Vgl. Haym S. 697.
Nachdem Percy 1757 die erste Sammlung alter schottischer und englischer Balladen herausgegeben, gab Herder, sicher durch diese Samm- lung beeinflusst, 1778 die Volkslieder heraus und Bodmer 1780 die„Altenglischen Balladen“.*)
Bürger fand durch diese Anregungen den rechten Weg; auch sein Talent würde, wie es überhaupt bei ihm nur aufloderte, aber nicht ruhig fortleuchtete, nicht auf die rechte Spur gekommen sein, so nahe er ihr auch war, aber einmal auf den rechten Weg gekommen, zeigte er ihn jedem, der ihn sehen wollte, durch seine herrliche Ballade„Lenore.“ In Bürgers Balladen sieht man auch deutlich die ältere und die neue Richtung beisammen; diejenigen Dichter, die jetzt die Ballade pflegten, machten sich los von der witzelnden und mythisierenden Richtung, ohne sie ganz aufzugeben, bis Goethes am Volksliede erstarktes Genie den vol- len Klang anschlug, den auch Schillers idealer Ausdruck und hoher Schwung nicht mehr für die Ballade verstummen machen konnte.**).
*) Gerstenberg, der Dichter des Ugolino, hat in den schleswigschen Literaturbriefen (Seuffert: Deutsche Literaturdenkmale des 18. und 19. Jahrhundert B. 18. u. 19.) schon 1767 und 1768 auch der nordischen Literatur seine Aufmerksamkeit zugewendet. Sie schlie- Ben sich an die Briefe, die neueste Literatur betreffend, an die Fragmente von Herder an. Gerstenberg suchte die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Lieder der skandinavischen Völker hinzulenken und trat von Klopstock angeregt, enthusiastisch für sie ein; die Anre- gungen, welche die Romantik später der Wissenschaft gab, sind im Keime schon im Zeit- alter des Sturms und Drangs vorhanden. Uhland(S. 67 Holland) bemerkt, dass die Auf- merksamkeit, welche nun auch auf die verwehten Töne des alten deutschen Volksliedes sich lenkt und in Goethes Balladen fruchtbar wurde, ferner Bürgers Bearbeitungen der Balladen aus Percy, sowie dessen eigene Erzeugnisse solcher Art die Hauptmomente seien, durch die sich die neuere Balladendichtung in Deutschland begründete. Es war also weniger ein genetischer als ein gelehrter literatur-historischer Hergang.„Der lebhaftige und nachhaltige Eindruck, den die wieder aufgefundenen alten Volksgesänge hervorbrach- ten, zeugt dafür, dass ihnen auch ein tieferes Verlangen im Herzen der neueren Zeit entgegen- kam. Mitten im Bezirke der gelehrten und wohl geregelten Dichtkunst vernahm man wunderbar bewegt die Alphornklänge des vergessenen Heimatslandes.“ Die Herderischen Ossianaufsätze waren es, wie Haym(Herder I. 450) bemerkt, die dem mit den Percyschen Reliques schon ver- trautgewordenen Bürger zu bestimmten Vorstellungemüber die Natur des volksmäßigen episch- lyrischen Gesanges verhalfen und zusammen mit dem Goetheschen Götz seinen Ehrgeiz wie seine Begeisterung zu dem Wärmegrade steigerten, auf dem ihm der glückliche Wurf seiner Lenore gelingen mochte.„Nicht zwar hervorgerufen, wohl aber aufgemuntert, ge- richtet und geläutert wurde die Bürgerische Balladendichtung durch die Blätter von deut- scher Art und Kunst; rund als er es unternahm, in dem„Herzenserguss über Volkspoësie“ über sein Streben Rechenschaft abzulegen, da trug er nur in seiner eigenen Sprache zum zweitenmal dieselben Sätze vor, die drei Jahre früher der Herdersche Aufsatz verkündet hatte.“ So ist im ästhetischen Sinne Herder der eigentliche Wiedererwecker der Ballade, im poëtischen Sinne aber Bürger, doch nicht ohne Beihilfe des Hainbundes, der Grafen Stolberg, Voß, Höltys und Goethes. In der Form, wie Gleim sie aufgenommen und wie seine Nachahmer die Ballade fortsetzten, war eine Herabsetzung und Verwilderung bis zur Gemeinheit eingetreten. Das alte, herrliche Volkslied war zur mythologischen Parodie, zur Schauermär oder zum lüsternen witzelnden Lied geworden. Der schlanke Wuchs des alten Liedes und seine stämmige Kraft war verkommen und verkrüppelt, die Pflanze, die jetzt aufgewachsen war, erinnerte an den Grundstamm des alten Liedes in gar nichts, als höchstens in dem Schauerlichen oder in der Liebesgeschichte. Dies war noch immer die Atmosphäre, in der sie athmete, aber dies war nicht mehr die würzige Wald- und Heideluft der alten Ballade. Hier handelte es sich wieder darum, die Springwurzel zu fln- den, die die Schatzkammer zur alten Ballade öffnete, und diese fanden Bürger und Herder. Bürger wusste seine That; daher sein Selbstbewusstsein:„Denn Alle, die nach mir Balla- den machen, werden meine Vasallen sein und ihren Ton von mir zu Lehen tragen, Alle Zungen auf Erden sollen bekennen, dass ich sei ein Balladendichter und kein Anderer neben mir.“.
**) Bonnet Maury erörtert die Vorgeschichte der deutschen Ballade, er findet sie


