Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 1. Teil
Entstehung
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und Moncrif, ersterer das edlere Volkslied, die eigentliche Romanze iro- nisierte, letzterer von ihm selbst erfundene Romanzen durch absichtlich falsches Pathos übertrieb.

Gleim hat, sagt Lucae, das Verdienst, dass er zuerst in Deutsch- land Romanzen gedichtet(worauf er sich etwas zugute that), den Na- menRomanze durch spanisch-französische Vermittlung aufgebracht hat. Gleim hat auf Jahrzehnte hinaus eine unrichtige Ansicht vom Wesen des epischen Liedes eingeführt und verbreitet. Nach dem Recepte Vetterleins und dem Vorbilde Gleims gieng man nun in der Balladendichtung vor. Gleims Nachahmer und eifriger Verehrer der französischen Romanzenart, wie sie Favart, Marmontel, Sains Peravi la Place, Senécé gedichtet ha- ben, ist Löwen. Raspe schlug einen ernsten Ton an, Schiebeler schuf die Opernromanze und die Romanze als Travestierung der classischen Mythologie. Scherer bemerkt(Literaturgeschichte S. 666):Die scherzhafte Bänkelsüngerromanze des vorigen Jahrhunderts, welche dem Aufschwung der Ballade vorhergieng, erweiterte sich 1784 in den Abenteuern des frommen Helden Aeneas von Alois Blumauer zur travestierten Epopõe.**) Auch Geissler verfolgte diese Richtung, ebenso Bretschneider, Zacharià, Michaelis, Chr. Fr. Weisse, Hölty, Gotter wie M. v. Thümmel.(Vgl. die RomanzeIm Namen und zum Vortheile eines reisenden Jägers.*) Auch die Dichter des Hainbundes waren hier zu finden, sie mischten aber rührende und weinerliche Elemente bei. Schiebeler besitzt auch eine edlere Art(Ines von Castro, Siegmar und Adelheid) neben dem gemeinen Tone.(Pandora:Ihr lieben Weiber, bessert euch aus dieser Mordge- schichte.) Ahnlich Gotter(Antiochus und Stratonike), dabei aber Blau- bart. Geissler'sPhaëton zeigt so recht die Behandlung des Mythus von diesen Sängern.

Die mythologische Ballade in dieser Art hat auch L. H. C. Hölty bearbeitet(Apollo und Daphne), meist mit einer ironischen Lehre am Ende. Anderer Art sind: Töffel und Käthe, Adelstan und Röschen, Leander und Ismene. Drei Balladen: die Nonne, der Traum, der alte Landmann (mit der bekannten Stelle:Üb' immer Treu und Redlichkeit.**,

Die englisch-schottische Ballade nahm stark historische Elemente auf. Die langen Kämpfe beider Völkerschaften spiegelten sich in einer großen Zahl von Volksgesängen, in denen einzelne Heldengestalten her- vortraten. Mit unbewusster Kunst lag in diesen Gesängen schon die erste Poëtik der Ballade verborgen.

1765 erschien Percys Liedersammlung.Die neue Bibliothek der schönen Wissenschaften spricht in einer Anzeige dieser Sammlung aus, dass die Deutschen die wahre Natur und Würde der Romanzen kennen lernen und sich diese Romanzen zum Muster nehmen sollen. Die Percy- sche Arbeit entsprang dem in England erwachenden Streben, echte Poésie aufzufinden, und man glaubte sie in der alten Ballad Poetry und in dem noch lebendigen Volksliede gefunden zu haben. Die Percysche Gesell- schaft, die Herausgabe des Percy Folio Manuscript, die vortrefflichen Bal- ladensammlungen von F. J. Child und die Ballad Society entsprachen diesem Streben nach Auffindung und Sammlung des noch Vorhandenen.

*) Bereits Wachler: Vorlesungen über die G. d. t. Nationallit. II. 244, hat dies schon ausgesprochben.

**½) In einem Brief schreibt er an H. Voss:Ich soll mehr Balladen machen? Viel- leicht mache ich einige; es werden aber sehr wenige sein. Mir kommt ein Balladensänger wie ein Harlekin oder ein Mensch mit einem Raritätenkasten vor. Fr. Chr. Weisser setzte noch im 19. Jahrhundert die Gleim, Löwen, Schiebeler'sche Richtung fort(Die Ge- vurt der Minerva,Die Heirat des Todes, eine Parodie auf Bürgers Lenore.).