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südlichen Romanzen wieder kennen lernte, ahmte man sie in der Kunst- ballade nach. Die südliche Romanze des 17. Jahrhunderts war das Pro- duct spanischer Romanzenmacher oder Kunstdichter, so die moreske Romanze, die Schäferromanze. Der Spanier Gongora und der Franzose Moncrif behandelten diese Art.*)
Molières Balladen hingegen waren satirische Gedichte und erfreu- ten sich damit der vollen Gunst ihrer Zeitgenossen. Die deutschen Dichter lernten diese erstere Art kennen, und besonders Gleim war'’'es, der diese Vorbilder in seiner„Marianne“ nachahmte(1756). Ubrigens hatten durchaus nicht alle diese Lieder etwas Verwandtes mit dem Bänkelsängerton, der längst Criminalfälle, Mord und Schauergeschichten im volksthümlichen Ton und in einer volksthümlichen Melodie auf der Straße und im Wirts- hause sang; aber allerdings griffen die Dichter noch zu diesem Reste volksthümlicher Elemente.
Lucae bemerkt(S. 197), dass in diesen ersten Romanzen das Volks- thümliche nur dazu da sei, um von dem feineren Geschmacke des Zu- hörers, der alsbald merkt oder doch merken soll, dass es dem Dichter keineswegs Ernst damit gewesen, einfach negiert zu werden;„das Volks- thümliche wird darin ironisiert.“ Das volksthümliche Element soll nicht um seiner selbst willen in eigener Geltung als ein wirklicher und wür- diger Inhalt der Poéësie, sondern als eine Maske, als eine Form, an deren poëtische Berechtigung der Dichter selbst nicht glaubt, und deren er sich nur zum Spiele bedient, behandelt werden. Sie sollen nicht das Grauen, sondern Behagen, ja Lachen erregen und das Lachen des Besserwissen- den, der im Gefühle und Bewusstsein seiner feineren Cultur sich zu der Unmittelbarkeit des Volksthümlichen nur spottend verhält und eben in diesem Spott und Widerspruch seinen ästhetischen Genuss, sein Ergötzen und seine Befriedigung findet. Diese treffende Bemerkung Lucaes lässt, sich durch die Ansicht der Theoretiker beweisen. Die Poëtik der Ballade und Romanze stellt Vetterlein für diese Zeit fest. Er sagt:„Der wahre Dichter, der einen solchen Stoff, wie ihn die Volkssänger in einer halb barbarischen Zeit erfanden, nach den Regeln der schönen Kunst bear- beiten will, muss zwar den Hauptstoff, nämlich eine abenteuerlich wun- derbare Thatsache, beibehalten, aber durch seine Behandlung, durch den halbernsthaften, halb lustigen Ton, durch Ubertreibung der erzählten Dinge, selbst durch kleine naive Winke u. s. w. zugleich zeigen, dass er sie für das halte, was sie ist, ein ungereimtes Geschichtchen, das er nur in der Absicht und mit Hilfe seines Witzes ausschmücke, um seinen Lesern ein kurzes Vergnügen zu machen und sie in ernsthaftlachendem Tone an manche nützliche Wahrheit zu erinnern, nicht aber sie von der Wahr- heit des Factums auch nur einen Augenblick zu überreden. Denn dies thun wollen, wäre in einem aufgeklärten Zeitalter eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes.“ Wenn ein Theoretiker, wie Vetterlein, von Erfindung des Stoffes durch Volkssänger in einer halbbarbarischen Zeit spricht, so sieht man hier den ganzen Irrthum der Aufklärer und des soge- nannten gesunden Menschenverstandes, den zurechtzuweisen ein Mann wie Herder alle Mühe hatte. Der wahre Dichter wird noch dazu dem Volks- sänger gegenübergestellt, es ist dies der ganze Hochmuth jener faden Ge- lehrtenposten, die mit Verachtung auf alles herabsahen, was nicht in ihre grundverfehlten Theorien passte.
Gleim eigenthümlich ist nur, dass er den Bänkelgesang parodierte und hierin das wahre Wesen der Romanze erblickt, während Gongora
*) I. G. Jacobi hat 1767 die Romanzen des Gregora übersetzt.


