Aufsatz 
Zur Poetik der Ballade : 1. Teil
Entstehung
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ver und objectiver, epischer, lyrischer und dramatischer Darstellung zu zeigen. Doch scheint Holzhausen über den Begriff des Epischen nicht klar zu sein. Das Epische ist vor allen Handlungsbild, nicht Stimmungs- bild.*) Er glaubt aber, ein Gedicht sei dann episch, wenn von

*) Ein Hauptmangel bei den Eintheilungen in der Poëtik ist der Mangel der Un- terscheidung zwischen Handlungs- und Stimmungsbild. Die Gefühle des Menschen, die doch der Inhalt alles Schönen sind, können entweder in Handlungen sich äußern oder in ruhen- den Zustünden. Brechen die Gefühle in Handlungen hervor, so sind sie stärker, der Natur der Handlung nach. Aber auch ruhende Zustände können Gefühle starker Art darstellen, sie dürfen aber nicht zu Handlungen treiben. Dieser Unterschied geht durch alle Künste. Die Lyrik gibt solche Stimmungsbilder, und die lyrische Ballade ist nur ein solches Stim- mungsbild. Das Stimmungsbild kann immerhin ein leichtes Handeln aufnehmen. Statt der Handlung tritt hier die Situation und ihre Verbreitung ein, also Wechsel der Gefühle. Das Stoffgebiet der Lyrik umfasst so die innere und die äußere Welt. Das Stimmungsbild lehnt sich an bestimmte Vorgänge an. Gerade von einem Gedicht, das Holzhausen als episch erklärt in Verwechslung des Handlungs- und Stimmungsbildes, sagen Heinze und Goette (Deutsche Poötik 252):Die Empfindung hat insoferne eine objective Grundlage, als ihr ein bestimmtes Geschehnis, die Flucht und der Untergang zweier Liebenden, zugrunde liegt. Dies Ereignis ist aber nur in den allgemeinsten, Zügen ohne Darlegung besonderer Beweggründe angedeutet und vermag sich mithin völlig in Stimmung aufzulösen. Die ly- rische Ballade ist nichts anderes als ein Stimmungsbild, das einen geschichtlichen Moment ergreift, eine geschichtliche Persönlichkeit(historische Lyrik) oder sonst ein Er- eignis, an welchem der Dichter seine Stimmung, oft unter der Maske der fremden Person, aussprechen kann(Rollenlyrik). Hieher gehört das Sittenbild und das Lebensbild. So trennt sich das Lied als warmer Ausdruck des Gefühlslebens von der lyrischen Ballade und diese scharf von der epischen ab, wie später eingehend nachgewiesen werden wird. Nicht Gefühle stellt übrigens die Lyrik dar, sondern ein von Gefühlen erfülltes Subject, das entweder der Dichter selbst ist oder ein anderes Subject. Diese Stimmungsbilder kön- nen auch Natur-(Landschafts)bilder sein, sie laufen als Stimmungsbilder der lyrischen Bal- lade parallel, dann gehören sie nicht zur lyrischen Ballade, die an Leben und Ge- schichte anknüpfen muss.(König Enzio von Zimmermann, die alte Waschfrau von Cha- misso, der Auswanderer von Freiligrath, das alte Haus von Hebbel, Belsazar von Heine, ebenso die Grenadiere etc. Vgl. I. c. S. 267 fg.) Man hat auch hier den Ausdruck objecti- ves Stimmungsbild gebraucht. Die Trennung des Subjectiven von dem Objectiven ist über- haupt falsch. Das Subjective ist der Inhalt, also das Gefühl, das Objective ist die äußere Darstellung der Gefühle(die Form). Kein Schönes kann ohne beide sein. Vischer III. 1324 sagt daher richtig, dass im Lyrischen das, Subject sich und seine Stimmung nur aus- sprechen kann durch Plemente der epischen Kußerung. Allerdings kann auch eine Ver- bindung des Handlungsbildes mit dem Stimmungsbilde eintreten, das ist im Epos über- haupt und in den kleineren epischen Gattungen der Fall. Lyrik und Dramatik, Stimmungs- und Handlungsbild haben somit im Epos kein drittes neben sich. Das Stimmungsbild wird im grofſfen Epos zur Episode; im kleinern epischen Gedichte ist zu einer solchen äußeren Verbindung kein Platz, hier tritt die innere Verbindung ein; die epische Ballade im Gegensatz zur lyrischen muss ja auch wie alle Poésie stimmungsvoll sein, aber sie wahrt den Charakter des Handlungsbildes und löst es nicht in lauter Stimmung auf, wie die lyrische Ballade. Goethe sagt:Die Schwierigkeit bei diesen theoretischen Bemühun- gen ist immer, die Dichtarten von allem Zufälligen zu befreien. Werner,Lyrik und Ly- riker fragt S. 13.:Wie ist der Charakter des Gedichtesdas Veilchen, das Goethe unter die Balladen einreiht, zu fassen? Wir haben jedesfalls die Vorstellung eines Geschehens, einer Handlung und eines Charakters, also Epik, aber wir haben anderseits auch die Dar- stellung von Gefühlen mit Empfindungen, also Lyrik. Epik und Lyrik haben sich durch- drungen, so dass wir sie nicht zu scheiden vermögen. Trotzdem zeigt sich der Grundcha- rakter des Gedichtes bald, wenn wir nur fragen, welches Ziel der Dichter angestrebt. Kam es ihm auf Handlung und Charakter oder auf Gefühl und Empfindung an? Wir kön- nen gar nicht zweifeln, dass der Grundton lyrisch ist, wir müssen demnach eine Gattung: episch-lyrisch constatieren, welche wir gewöhnlich Ballade nennen. Vgl. S. 14 und 15. Diese feinen Nuancen bringen Werner dazu, ein episches epischdyrisches und ein lyrisches lyrisch-episches Gedicht zu constatieren.(SchillerHandschuh, BürgerDie Kuh.) So sagt Werner S. 15 von Bürgers GedichtDie Kuh:Die Erzählung ist mit dem persönlichsten Antheil vorgetragen, sehr stark mit Gefühl durchsetzt, unzweifelhaft viel lyrischer als Der Handschuh, aber trotzdem episch. Man denke noch vieler Gedichte von Uhland, vor allem aber der BürgerschenLenore und der GoetheschenBalladeDie Kinder hören