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heroischer oder abenteuerlicher Art in knapper Form in lyrischer Weise erzählt, blühte schon im XIV. und XV. Jahrhundert: der Ritter Ulinger, der edle Möringer, der Graf von Rom, der Lindenschmied, der Ritter von Rosenberg. Uberall wird in diesen Liedern der menschliche Antheil hervorgehoben, Schwester, Sohn, Weib und Kind trauern um das Schick- sal des Helden. In diesem alten Volksliede treten selbstverständlich ver- schiedene bald mehr epische, bald mehr lyrische Formen auf. Was Holz- hausen weiter bemerkt, dass die specifische Ausbildung des epischen Liedes zu der heute sogenannten Ballade und Romanze erst durch das Mittelalter erfolgte, dass die innig gemüthliche Theilnahme des Erzählers an den Personen seiner Dichtung, wodurch diese erst zur Ballade und Romanze wird, erst unter dem Einflusse der christlichen Weltanschauung möglich war, muss man bestreiten. Christliche und mittelalterliche Welt- anschauung ist nicht dasselbe. Gerade jener heidnische Rest, der im Mittelalter noch vorhanden war, bei jenen Völkern, in deren Adern ger- manisches oder slavisches Blut floss, war es, der jene tief empfundene, die Natur hereinziehende und sie zum Echo der Empfindung machende Poësie überhaupt möglich machte; auch ist die Ballade durchaus von keiner christlichen Weltanschauung getragen, wenn sie auch hie und da moralische Sentenzen einfließen lässt.„Es ist klar,“ sagt Holzhausen, „dass das christliche Volkslied— nur von diesem ist fernerhin die Rede — einen wesentlich anderen Charakter annehmen musste als das heid- nische.“ So klar ist dies eben nicht! Auch hätte Holzhausen das, was er christliches Volkslied nennt, etwas genauer bezeichnen sollen. Weiter heißt es bei Holzhausen:„Besonders wieder musste sich das nordisch- germanische Volkslied sehr verschieden von dem romanischen gestalten. In dieser letzten localen Verschiedenheit liegt der Kernpunkt der Frage nach dem Unterschiede von Ballade und Romanze.“ Den historischen und nationalen Grund der Entwicklung für die Ballade und Romanze hat übrigens Hense schon recht gut entwickelt(S. 5 und 6 im Programm von Warburg 1878). Die spanische Romanze ist allerdings vom christli- chen Gedanken getragen, weil sie in dem politischen Feinde auch den religiösen Gegner bekämpfte; aber die nordische Ballade nicht.
Vischer IV. 1295 sagt:„In der Romanze ist der Recke Ritter ge- worden, der Kampf geht gegen die Feinde des Christenthums, aber dabei bewahren sie wahrhaft große und rührende Züge uralter Tüchtigkeit; aber in den epischen Liedern des Nordens geht die Leidenschaft echt heidnisch reflexionslos wie eine Naturgewalt und das Gewissen kommt erst, wenn die That eines Größeren und Stärkeren über sie kommt.“ Ferner 1366 heißt es:„Je durchsichtiger solches sittliche Bewusstsein geworden(und das müsste doch ganz sicher in Holzhausens christlichem Volksliede zu finden sein), desto schwerer ist es sowohl eine echte Bal- lade als eine echte Romanze zu dichten.“ Vischer hat aus dem Unter- schiede der Stilprincipien, des Naturalistischen und Plastischen, der im Volksliede als nationaler auftritt und sich an den Namen Ballade und Romanze anlehnt, längst jene Charakterisierung der beiden Formen ge- geben, die Holzhausen gibt. Er sagt, das deutsche Volkslied sei von den germanischen vielleicht am gemüthtiefsten, dass es aber, wie er meint, die oft grausig dissonierenden Töne der nordischen und englischen Ballade vermeide, ist nicht richtig. Holzhausen charakte- risiert wohl richtig, wenn er sagt,„das deutsche Jlkslied durchläuft im übrigen die ganze Skale volksthümlicher Empfindungen und ist nicht übel geeignet, das eigentliche Schwanken der Ballade zwischen subjecti-


