Aufsatz 
Die erste Festwoche des Deutschen Schillerbundes in Weimar : (5.-10. Juli 1909.) / von Paul Fischer
Entstehung
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Viel Herrliches hatte sich uns auf den Rundgängen dieser Tage geboten, was dauernd unserm Gedächtnis eingeprägt bleibt als reiches geistiges Gut innerer Anschauung und Empfindung, und noch sind die vier Bühnena bende völlig unerwähnt geblieben, die denn doch trotz allem die überragende Höhe des Ganzen bildeten und den lautesten Sturm der Begeisterung bei der Jugend entfesselten. Schon äußerlich stellt sich das neue Großherzogliche Hoftheater als ein Schauspielhaus großen Stiles dar, das den würdigen Hintergrund für Rietschels berühmtes Goethe-Schiller-Denkmal bildet. Der stattliche Bau atmet durchweg den Geist schlichter Klassizität, ist gediegen in seiner Werkarbeit, edel in seinem Schmuck, und den in das Innere eintretenden Beschauer umfängt überall eine vor- nehme, heitere Ruhe. Der in Mattgrün, Weiß und maßvoll verwandtem Gold gehaltene, etwa 1200 Personen umfassende Zuschauerraum mit den schöngegliederten Deckenfeldern und dem abgestumpften Bühnenrahmen, der das weite Bühnenbild als einzig leuchtenden Raum erscheinen läßt, versetzt den der Aufführung Harrenden in den Zustand ruhiger Erwartung, die die stimmungsvollste Vorbereitung für den Genuß des Kunstwerkes ist. Die bewegliche Bühne ist von den Erbauern mit allen Errungenschaften heutiger Kunstfertigkeit ausge- stattet und prägte an allen vier Abenden den von der Spielleitung mit der größten Sorgfalt vorbereiteten Bühnenbildern den Stempel einer seltenen Vollendung auf. Die vier für dies Jahr ausgewählten Stücke führten von Schillers Wilhelm Tell, dem vornehmsten Volks- schauspiele der Deutschen, über das berühmteste unserer Lustspiele, die Lessingsche Minna von Barnhelm, zu Kleists dramatischem Meisterwerk, dem Prinzen von Hom- burg, und fand den vollbefriedigenden Abschluß in Goethes Egmont, dessen Reichtum an fein abgetönten Charakteren in der auch die Staatshandlung voll umfassenden Dar- stellung zu glücklichster Geltung kam. Rein künstlerisch stand die Aufführung der Minna von Barnhelm am höchsten, was doch keineswegs bloß Frau Agnes Sorma, der hochbe- gabten, wenn auch etwas willkürlichen Darstellerin der Titelrolle, zu danken war; aber auch die übrigen Vorführungen waren der dargestellten Meisterwerke durchaus würdig, und be- sonders verdiente meines Erachtens die Durchführung der hauptsächlichsten Frauenrollen in sämtlichen Stücken ungeteilten Beifall..

Weelchen Eindruck die Bühnenwerke infolge der glänzenden scenischen Ausstattung und der tüchtigen Darstellung auf die Jugend machten, die das Parkett, das Parterre sowie den zweiten Rang anfüllte, und wie stark sie den Lebensgehalt der aufgeführten Dichtungen empfand, bei deren Verkörperung die mitwirkende Künstlerschar sichtlich ihre beste Kraft entfaltete, das bewies der nach den wirkungsvollsten Scenen und am Ende der einzelnen Akte wieder und wieder hervorbrechende Jubel, der die Hauptdarsteller immer von neuem zwang, vor die Rampe zu kommen und den stürmischen Dank der jungen Hörer durch freundliche Verbeugungen zu erwidern.

Und noch eine andere Dankesbezeugung war der begeisterten jungen Welt ver- gönnt; sie durfte nach der letzten Bühnenvorstellung am 10. Juli dem gastlichen Weimar, dem ersten Vorsitzenden des Bundes und vor allen anderen dem kraftvollen Anreger und unermüdlichen Förderer der Sache des Schillerbundes, Herrn Literarhistoriker Professor Adolf Bartels, durch einen wohlgeordneten, einen großen Teil der Feststadt durchstreifenden Fackelzug eine wirkungsvolle und aus warmem Herzen kommende Huldigung darbringen, in deren Verlaufe an mehr als einer Stelle auch die Mitglieder des Nationalausschusses oder die Führer der von auswärts gekommenen Schülergruppen in öffentlicher Rede ihren Dank aussprechen konnten.

So endete in strahlendem Glanze die unvergeßliche Festwoche. Was aber vielleicht das Bemerkenswerteste und in manchem Betracht das Erfreulichste von allem war: der fest- liche Schimmer dieser Tage wurde nicht durch einen einzigen Mißklang und auch nicht durch die leiseste Ausschreitung der an der Unternehmung beteiligten Jugend getrübt, weder, was ich freilich von vornherein angenommen hatte, in unserer Gruppe, noch, soweit mir bekannt geworden ist, in irgend einer anderen. Es schien, als ob die Würde und der Ernst der Sache, die Schönheit und Freundlichkeit der Umgebung und das immer neu er- wachende Gefühl der Dankbarkeit für die Gunst dieser Stunden auch dem Ungeberdigen Zügel anlege und nur reine Heiterkeit, aber keine die Schranken überspringende Ausgelassenheit

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