Aufsatz 
Die erste Festwoche des Deutschen Schillerbundes in Weimar : (5.-10. Juli 1909.) / von Paul Fischer
Entstehung
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der Burg, die wir eingehend besichtigten, das Ritterhaus mit dem eine köstliche Fernsicht bietenden Lutherstübchen, das Landgrafenhaus mit dem durch Fresken Moritz von Schwinds geschmückten Sängersaal, die Elisabethengalerie und die Kapelle, der Festsaal im dritten Stock, wo 1817 die deutsche Burschenschaft tagte, sowie die Rüstkammer im Erdgeschoß, sollen hier nicht geschildert werden. Nur sei erwähnt, daß es dem Kundigen ein Lächeln erweckt, wenn in dem ursprünglichen Festsaale, der jetzt Sängersaal heißt, der führende Diener von dem sagenhaften Sängerkriege zwischen Wolfram von Eschenbach und Hein- rich von Ofterdingen wie von einer geschichtlichen Tatsache in ernsthaftem, ja feierlichem Tone erzählt und den zauberkundigen Klingsor von Ungarnland als Schiedsrichter des. Wett- streits so anschaulich schildert, als hätte er mit ihm selbst zu Tisch gesessen.

Als wir einige Zeit nach unserem Rundgange durch die Burg auf herrlichen Wald- wegen der Hohen Sonne zuschritten, einem berühmten Aussichtspunkte anderthalb Stunden von Eisenach, mußten wir leider, um nicht völlig einzuweichen, vor dem strömenden Regen auf halbem Wege hinter der Drachenschlucht umkehren, einem schmalen Felsenspalt, den wir unter heiteren Gesängen durchzogen hatten. So ging uns der schöne Rückblick auf die Wartburg verloren; doch hatten wir das Wichtigste gesehen und konnten auf dem Rück- wege nach Eisenach wenigstens noch das anmutige Landschaftsbild des Marientals genießen. Nun hatten wir Zeit, am Nachmittag die Stadt Eisenach selbst mit ihren Denkmälern, Kirchen und näheren Umgebungen, wie dem Burschenschaftsdenkmal, eingehend in Augen- schein zu nehmen. Der Abend aber, den wir wieder in Weimar verlebten, versammelte im Saale der Armbrustgesellschaft die Jugend zu einem fröhlichen Tanzkränzchen, das doch nicht zu übermütiger Lustbarkeit ausartete, sondern vor Mitternacht zu Ende ging.

Der folgende Vormittag, es war der letzte, den wir für die Sehenswürdigkeiten Wei- mars zur Verfügung hatten, verbrachten wir im Lisztmuseum, dem naturwissenschaftlichen Museum und der ständigen Ausstellung für Kunst und Kunstgewerbe. In allen dreien hatten wir die kundigste Führung, im Lisztmuseum durch eine würdige Alte, die lange Jahre Köchin und zuletzt Wirtschaftsführerin des großen Tonkünstlers gewesen war. Sie sprach mit inniger Liebe und warmer Begeisterung von ihrem gütigen Herrn und gab auf jede Frage der andächtig lauschenden jungen Leute freundliche und anziehende Auskunft. Alles fesselte hier, nicht bloß der schöne Bechsteinsche Flügel, der gleich beim Eintritt in den ersten Raum ins Auge fällt, das Pianino von Ibach, der Schreibtisch des Meisters mit einer unter Glas ver- wahrten Handschrift, das einfache Schlafzimmer, das ganz so erhalten ist, wie es zu Liszts Lebzeiten war, sondern auch der ältere von Liszt gespielte Flügel im ehemaligen Speise- zimmer, die dort befindlichen Büsten und Bilder, die den Künstler in allen Lebensaltern darstellen, die Totenmasken Beethovens, Webers, Chopins, die in einem Glasschrank liegenden Briefe von Berlioz, Wagner, Heim, Gutzkow, Dingelstedt, eine Menge kostbarer Andenken, die der berühmte Tonkünstler von Fürsten, wohlhabenden Privatleuten oder Vereinen zum Geschenk erhalten hat, wie Uhren, Ringe, kostbare Nadeln, arabische Tischchen, kunstvolle Dirigentenstäbe, Malachitarbeiten, ja zahlreiche Schnupftabaksdosen und Spazierstöcke, die sämtlich wie neu sind, da Liszt niemals geschnupft hat und nie am Stocke gegangen ist.

Im Naturwissenschaftlichen Museum, dessen reiche Schätze von unserm mitteil- samen Führer mit innerlichem Anteil gezeigt und erklärt wurden und unser aller lebhafteste- Teilnahme erweckten, wurden mit besonderer Aufmerksamkeit die osteologische Sammlung von Resten diluvianischer Riesentiere, sowie die lehrreichen Uberbleibsel menschlicher Kunsttätigkeit betrachtet, die zugleich mit jenen zu Taubach bei Weimar gefunden worden sind und nach der Ansicht mancher Forscher zum ersten Male den vollgültigen Beweis für das älteste Vorkommen des Menschen in der Diluvialzeit erbracht haben.

Am Nachmittag fanden wir uns zuerst in der Fürstengruft ein, die auch Goethes und Schillers irdische Reste birgt. An diesen Särgen wehte auch den fröhlichsten unter den Jünglingen ein Hauch vom strengen Ernste des Lebens an. Es war die rechte Stimmung, nun auf einem kurzen Gange über den Friedhof bei leider drängender Zeit wenigstens das Grab der Frau von Stein aufzusuchen mit dem vor noch nicht Jahresfrist enthüllten Denkmal und dem Andenken der oft mit Unrecht geschmähten edeln Frau, der Goethe in den Jahren seiner Klärung so viel verdankte und deren Leben Wilhelm Bode neuerdings sehr schön