Aufsatz 
Die Belagerung von Frankfurt
(1552)
Entstehung
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der herkömmliche Name derPrivat mag daran mit Schuld ſein. Unſere Arbeitsſtunden haben aber nur den Zweck, ſolchen Schülern, denen zu Hauſe die nöthige Aufſicht nicht zu Theil werden kann, oder die zum Arbeiten ange⸗ halten werden müſſen, Aufſicht und, ſoweit möglich, An⸗ weiſung zu Theil werden zu laſſen: die Gewöhnung zu ſelbſtſtändigem Arbeiten iſt das letzte Ziel, das wir im Auge haben, weshalb der Beſuch der Arbeitsſtunden ſich auch nie auf eine längere Reihe von Jahren erſtrecken ſoll. Was das Verhalten und die Leiſtungen unſerer Schüler und Schülerinnen betrifft, ſo bezeugen wir mit Freuden, daß nicht Wenige ſich die Erfüllung ihrer Schulpflicht mit Eifer und Erfolg angelegen ſein laſſen, aber wir dürfen auch nicht verſchweigen, daß Andere zu den ernſteſten Klagen und Beſorgniſſen, zu häufiger Mahnung und Strafe Anlaß gaben. Mögen Jene dem Wege, den ſie zu ihrem eigenen Beſten eingeſchlagen, treu bleiben, und durch die Kraft ihres Beiſpiels die Zurückgebliebenen nach ſich ziehen. Schließlich ſei es mir noch geſtattet, an zwei Erfah⸗ rungen des letzten Schuljahres einige Worte anzuknüpfen. Und zwar zunächſt an den auffälligen Umſtand, daß weit⸗ aus die meiſten Aufnahmegeſuche nicht ſowohl die unterſte Klaſſe, als vielmehr die vorletzte und drittletzte(VI. und V. Knabenklaſſe) betreffen. So hat z. B. die 6. Mädchen⸗ klaſſe nur 30 Schülerinnen gezählt, währeng für die 5. und 4. Klaſſe ſich nicht alle Anmeldungen berückſichtigen ließen. Ergibt ſich einerſeits auf den erſten Blick, daß der Eintritt in mittlere Klaſſen faſt ſtets mit Schwierigkeiten für die Schüler verbunden iſt, indem dieſelben nur ſelten in allen Fächern auf dem nothwendig feſtzuhaltenden Stand⸗ punkt der Klaſſe ſtehen, und iſt es andererſeits im Intereſſe der Schule wie der Schüler, daß ſie alle Klaſſen der Schule