Aufsatz 
Die Belagerung von Frankfurt
(1552)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

33

30 Roſſe zu ziehen hatten. Zu gleicher Zeit holten ſie oberhalb Mainz 27 große Büchſen aus dem Rhein, welche der Erzbiſchof hatte verſenken laſſen, und führten dieſelben mit 200 Tonnen Pulver in das Lager vor Sachſenhauſen.

Am 31. Juli und 1. Auguſt fiel Nichts von Bedeutung in den beiden Lagern vor; man ſchoß bald mehr, bald weniger wie bisher in die Stadt und die Belagerten hinaus in die feindlichen Lager. Am 2. Auguſt gewahrte man auf den Wällen der Stadt, wie die Feinde in dem Bockenheimer Lager unter die Waffen traten und gegen die Landwehr ſich zogen. Nicht lange darnach erſchien am Mainzer Thor ein Trompeter des Feindes, welcher dem Obriſten von Hanſtein die Kunde brachte, daß Herr Heinrich von Plauen, Burggraf von Meißen und böhmiſcher Kanzler, in Aufträgen des Königs Ferdinand im kurfürſtlichen Lager eingetroffen ſei. Er hatte die erfreuliche Botſchaft gebracht, daß der Kaiſer Carl V. die Artikel des von Moritz in Paſſau aufgeſtellten Vertrags in der Hauptſache endlich doch noch angenommen und gut geheißen habe. Den Pro⸗ teſtanten ward dadurch Religionsfreiheit zugeſichert und des Weiteren feſtgeſetzt, daß der Landgraf von Heſſen ſeiner Haft ledig ſein und in ſein Land zurückkehren ſolle. Der nächſte Reichstag ſolle die Religionsangelegenheiten definitiv regeln und die in Betreff der Rechtsverletzungen vorge⸗ brachten Beſchwerden genau prüfen. Die Beweggründe, welche den Kaiſer veranlaßten, ſich nachgiebiger zu zeigen, als zuvor, theilt er ſelbſt in ſeinen Briefen an ſeinen Bruder Ferdinand und an ſeine Schweſter Maria in Brüſſel mit. Ganz allein, ſchreibt er an König Ferdinand,die Rück⸗ ſicht auf Eure beſondere Lage, Eure Königreiche und Lande haben mich bewogen, den Vertrag zu beſtätigen. Der Schweſter meldet er, daß einzig die Betrachtung, welche

3