Aufsatz 
Die Belagerung von Frankfurt
(1552)
Entstehung
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Am 30. ſah man in der Nähe von Sachſenhauſen einen Mann an einem Pfahle, welcher eine Schrift in der Hand hielt. Die Belagerten drangen hinaus und holten die Schrift, den Deliquenten erkannten ſie nicht. Der unterzeichnete Profoß Hermann Walter von Freiburg erklärte darin, daß der Gehängte, Valentin Schramm von Bamberg, vor ſeinem Tode ausgeſagt habe, ein Rathsherr hätte ihm zwei Gulden und einen Batzen gegeben, um das feindliche Lager auszukundſchaften. Er habe 8 Gefährten gehabt, von denen er auch zwei mit Namen angegeben. Sie Alle hätten mit Vorausſicht auf Belohnung erhaltenem Auftrage gemäß beabſichtigt, das Lager zu erſpähen und anzu⸗ zünden. Auf dieß Geſtändniß hin ſei Valentin Schramm verurtheilt worden, geviertheilt zu werden; man habe ihn aus Gnade mit dem Schwerte gerichtet und aufgehängt. Wo aber der, wäre er Bürger oder Rathsherr, Jude oder Chriſt, entdeckt würde, welcher ſolche Verrätherei beſoldet oder beſtellt habe, dem ſolle nicht Gnade widerfahren, wie dieſem, ſondern ein ſolcher müſſe als ein verrätheriſcher Schelm geviertheilt werden.*)

Auch den Thurm bei dem Bockenheimer Thor mußte man am 30. abtragen und konnte dieß unbehindert von dem Feinde vollbringen, da derſelbe ſich ziemlich ruhig ver⸗ hielt. Der Markgraf von Brandenburg, Herzog Albrecht von Mecklenburg und Graf Chriſtoph von Oldenburg zogen am 31. mit 21 Fähnlein Knechten und etlichen Geſchwa⸗ dern Reiter nach Heidelberg und holten daſelbſt 8 Stück ſchweres Geſchütz, faſt alle Mauerbrecher, an denen 20 bis

*)Was ſich in den folgenden 6 Tagen zugetragen hat, iſt mir nicht bewußt. Denn ich wurde in der St. Katharinenkirche während der Predigt ſo krank, daß mich 2 Bürger von der Kanzel herabführen mußten, ſagt Ambach.