Aufsatz 
Die Belagerung von Frankfurt
(1552)
Entstehung
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wurden von einer Seuche ſo heimgeſucht, daß täglich 8 bis 10 Mann erlagen und in 2 Monaten 500 Mann von ihnen umkamen. Auch Bürger, Frauen und Kinder wurden heftig be⸗ fallen, und man zählte täglich dreißig und mehr Todesfälle. Im Juli und Auguſt ſtarben im Ganzen mehr als 1200 Perſonen.

Während am 22. Juli Graf Chriſtoph von Oldenburg nach Mainz und dem Rheingau abgeht, wo er 80,000 Gulden brandſchatzte, ſetzten die Markgräflichen ihr Feuer auf Sachſenhauſen fort. Um ihren Schüſſen, welche vor⸗ zugsweiſe die Dächer beſchädigten, ein ungefährliches Ziel zu geben, erſannen die Belagerten folgende Liſt: In einem alten verfallenen Hauſe von Sachſenhauſen, welches vor Zeiten ein Raubſchloß geweſen ſein ſoll, hingen die kaiſer⸗ lichen Söldner Nachts 2 brennende Laternen auf, welche man auf- und niederziehen konnte. Sobald der Feind dieß wahrnahm, meinte er, man wolle daſelbſt einen Wall gegen ihn aufwerfen, und richtete ſein Geſchütz auf dieß Haus, auf deſſen höchſter Spitze die Kaiſerlichen ein weißes Lein⸗ tuch mit einem wollenen rothen Kreuz aufgeſteckt hatten. Mehr als 300 Geſchützkugeln von ſchwerem Kaliber wur⸗ den auf dieß Haus geſchleudert, ohne erheblichen Schaden anzurichten. Uebrigens hielt ſich die Beſatzung in der Stadt und in Sachſenhauſen tapfer und ſtrafte den prah⸗ leriſchen Markgrafen Albrecht Lügen, der ſich laut gerühmt hatte, er wolle den Sachſenhäuſer Sau⸗- oder Hundsſtall binnen 3 Tagen einnehmen. Dergleichen derbe Aeußerungen waren auch ſonſt zu vernehmen. So oft die Markgräflichen das Frankfurter Kriegsvolk ſahen, riefen ſie ihmPfaffen⸗ knechte zu, weil ſie zuvor dem Domkapitel zu Mainz gedient hatten; dieſe aber ſchalten die MarkgräflichenBett⸗ ler, Judasknechte und Mordbrenner, weil ſie auf Raub und Brandſchatzung ausgezogen ſeien.