Aufsatz 
Die Belagerung von Frankfurt
(1552)
Entstehung
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der König Krone, Scepter und alles Vermögen bei ihnen aufſetzen wolle, im zweiten drohte es ſchwere Strafe. Un⸗ verzüglich ſchickte der Rath durch einen Reiſigen ein Ant⸗ wortſchreiben*) nach Bonames, worin er den Fürſten er⸗ klärte,er ſei dem Kaiſer mit Eid und Pflicht verbunden; ſie hätten bis jetzt an der Religion, der Uebung der Sakra⸗ mente und ihrer Kirchenordnung keinen Zwang erfahren; man möchte ſie daher mit Zumuthungen verſchonen, die gegen Ehre und Gewiſſen liefen. Vergeblich verſuchte ins⸗ beſondere der junge Landgraf von Heſſen den Rath zu einem andern Entſchluſſe zu bringen, allein trotz aller harten Reden und Drohungen ließ dieſer ſich von dem gefaßten Beſchluſſe nicht abbringen; er erſtattete ſogleich durch einen Abgeordneten, Konrad Humbracht, dem Kaiſer,*) welcher in Innsbruck krank an der Gicht lag, mündlichen Bericht von dem, was vorgefallen ſei, und traf auf den Thürmen und Wällen die nöthigen Maßregeln, um Gewalt mit Ge⸗ walt abzuwehren. Der Kaiſer belobte die Treue des Rathes, ermahnte ihn zu tapferer Gegenwehr und verſprach die Stadt zu ſchützen, war aber von dem Verrathe des Kur⸗ fürſten durchaus nicht überzeugt, da das letzte Schreiben deſſelben ganz unterthänigſt gehalten nur die Freilaſſung des Landgrafen erbeten, mit dem gehorſamen Erbieten,wo wir ſeiner Lieb' aus ſolcher Laſt verhelfen würden, ſolches für die höchſte Gnade aufzunehmen und Zeit ſeines Lebens dankbar zu ſein, auch Leib und Gut bei uns zu ſetzen ꝛc. Die Räthe des Kurfürſten kannten die Pläne ihres Herrn

*) Abgedruckt bei Lersner II. S. 471.

**) Der ausführliche Bericht iſt bei Lersner II. S. 473 und 474 zu finden. Die Antwort des Kaiſers ſteht II. S. 476 de dato Inns⸗ bruck am 20. März 1552.