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in welcher Zeit ihm auch die Vollendung seines Dramas„Erbförster“ gelang. Nun war er völlig zum Realismus übergegangen, während er die eigentliche Bedeutung und Grösse Hebbels noch garnicht erkannt hatte. Inzwischen war er zu epischen und besonders zu novellistischen Arbeiten zurückgekehrt und schrieb den nur als Bruchstück erhaltenen Roman:„Aus einem alten Schulmeisterleben“. Nachdem er noch das Drama: „Das Fräulein von Skydery“, das nur im Hinblick auf seine dichterische Entwickelung von Bedeutung ist, geschrieben hatte, war er nun, 37 Jahre alt, auf der Höhe seines Lebens angelangt.
Im Winter 1850 bis 51 dichtete er, nach grässlichen Anfällen von Hypochondrie und Nervenüberreizung, sein Meisterdrama:„Die Makkabäer“. In dieser Zeit wurde ihm der erste Sohn geboren, wodurch, nach schrecklich-trüben Tagen, ein Lichtschimmer in sein trauriges Dasein fiel. Von 1852 ab wohnte er abwechselnd in Loschwitz und in einem in der Nähe von Dresden gelegenem Gartenhause.
Schliesslich wandte sich Ludwig der poetischen Erzühlung zu. Im Winter 1853 bis 54 begann er seine„Heiteretei“ mit dem Gegenspiel:„Aus dem Regen in die Traufe“, denen dann 1855 der Roman:„Zwischen Himmel und Erde“ folgte. In jenen Tagen fasste er auch den Plan zu seinen„Shakespeare-Studien“, bei denen die Erinnerung an die verstorbene Mutter, die den grossen Briten, wie bereits erwäühnt, verehrt hatte, anregend gewirkt haben mag.
Von 1860 ab war Ludwig fast ohne Unterbrechung schwer leidend. Adolf Stern, einer der besten und feinsinnigsten Kenner des Dichters, der diesen in jenen Leidenstagen häufig besuchte, entwirft eine lebendige Charakeristik des unglücklichen Poeten, und der bekannte Hofschauspieler Josef Lewinsky nennt Ludwig eine„lebendige Leiche mit lebhaftem Kopf und Augen“. Er ist nun vollständig zerrüttet, während sein Geist, abgesehen von mancherlei Spuren des Widerspruchs und logischer Entgleisung, immer klar geblieben ist. Ein Lichtstrahl in seinem verdüsterten Dasein war ohne Zweikel der ihm von König Wilhelm I. von Preussen im Jahre 1861 verliehene Preis von 1000 Talern. Am 25. Februar 1865 wurde er durch den Tod erlöst.
Am Schlusse dieser gedrängten Lebensbetrachtung mögen die herrlichen Verse aus seinem Fragmente„Tiberius Gracchus“ ihren Platz finden:
„Noch einmal, eh' ich gehe, lass das Haus,
Wo meine Wiege stand, mich grüssen; dann
Wie Kinder plaudern wir von schöner’n Tagen.
So gleit' ich wie ein welkes Blatt vom Zweig.
Das unter Schwestern eben noch geflüstert.
Das niemand fallen sieht. Dorthin gewandt,
Steht ihr, und dahin— scheid' ich mit der Sonne“.
II.
Gehen wir nun zur Beurteilung des dichterischen Schaffens unseres Autors über, so wird es zunächst unsere Aufgabe sein, seine beiden Hauptdramen zu beleuchten. Denn es würde uns hier viel zu weit führen, wollten wir seine sämtlichen dramatischen Produktionen und sogar die Fragmente in den Bereich dieser Besprechung ziehen. Vor allem ist es also der„Erbförster“, der uns etwas eingehender beschäftigen soll. Wenn je ein Stück von den einen masslos gepriesen, von den anderen über Gebühr und teilweise ohne tieferes Eindringen in die Sache verurteilt worden ist, so ist es dieses gewaltige, düstere, von Unheil jeder Art durchzogene Drama, dessen Gesamtinhalt wir allerdings als


