Aufsatz 
Le Siége de Barbastre und die Bearbeitung von Adenet le Roi / keller
Entstehung
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Von der Form abgesehen, sind des Dichters Vorzüge nicht zu verkennen. Die Anordnung seines Gedichtes ist klar, die Ereignisse sind in gut motivirter Folge anein- ander gereiht. Die Abwechselung glücklicher und unglücklicher Ereignisse scheint er durch das ganze Gedicht hin beabsichtigt zu haben-

Auf den Ritterschlag der Söhne Bovon's folgt die Gefangennahme durch die Sara- zenen und ihre Leiden im Kerker. Nachdem die Franzosen sich mit Hülfe Clarion's befreit und zu Herren von Barbastre gemacht haben, werden sie sogleich von den Sarazenen be- lagert. Malatrie und Gerart entbrennen in Liebe zu einander. Die Zusammenkmunft der Liebenden hat aber verhängnissvolle Folgen, indem Guielin gefangen und zum Tode ver- urtheilt wird. Schon verzweifelt man an seinem Leben, als es doch noch gelingt, ihn zu retten. Als die Kräfte der Franzosen beinahe erschöpft sind, erscheint das christliche Entsatzheer. Zum heitern Schluss empfängt Malatrie die Taufe und wird mit Gerart vermählt.

So zerlegt sich das Siége de Barbastre von selbst in sieben Abtheilungen, von denen die mit ungleichen Zahlen gezählten(1, 3, 5, 7) trüben, die mit gleichen gezählten(2, 4, 6) heitern Character haben.

Etwas unwahrscheinlich erscheint mir die Einnahme von Barbastre, weil sie allein durch die Kühnheit Clarion's gelingt. Ebenso dünkt mir das Betragen des Letztern gegen die Christen nicht hinreichend begründet. Die Liebe der Malatrie zu Gerart hat etwas Unwahrscheinliches, selbst Ungewöhnliches, weil sie zuerst ihm ihre Liebe erklärt. Aber diese Art zu handeln ist in den alten chansons de geste nichts Aussergewöhnliches. Was besonders auffällt, ist, dass Malatrie sich in Gerart verliebt, ohne ihn je gesehen zu haben, nur auf die Erzählung von seiner Schönheit und von seinen Heldenthaten hin. Allein auch das kommt öfters in den chansons vor. In der Prise d'Orange entbrennt Orable in Liebe zu Guillaume, als sie seine Kraft und Tapferkeit rühmen hört. Auch sie ist wie Malatrie die Braut eines sarazenischen Fürsten, welchen sie für einen ihr persönlich unbekannten Christen im Stiche lässt.

Wohl gelungen sind dem Verfasser des Siége de Barbastre einige Charactere und Schilderungen. Von den Characteren ist nur Clarion's Character bedenklich. Clarion ver- räth seinen Glauben und seine Landsleute, ohne dass der geringste Kampf sich in seiner Seele erhebt, und ohne dass der Dichter ein so unedles Verfahren verurtheilt.

Libanor bildet die komische Figur des Gedichtes. Aus dem Sattel gehoben, fälllt er ins Wasser, und Gerart, der ihm aus dem unfreiwilligen Bade geholfen, lässt ihn ruhig laufen. Diese lächerliche Scené lässt die Untreue Malatrien's gegen ihren Verlobten in milderm Lichte erscheinen. Die schönsten Charactere sind die von Hermengart und Guielin. Was die Erstere anbetrifft, so habe ich schon früher p. 10 gezeigt, wie der Dichter ihren Heldenmuth geschildert. Guielin seinerseits wird als der Typus wahrer männlicher Tapfer- keit dargestellt. Ich begnüge mich, als Beispiel folgende Thatsache anzuführen:

Guielin fällt den Sarazenen in die Hände und wird vor den Emir geführt. Dieser verlangt, dass, um den Sohn loszulösen, der Vater ihm Barbastre übergebe: Certes, or te pandrai, com un autre laron, Se ne me rens Barbastre, la lor et lou donjon.