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ToGνo mπαμεμνοο⁷ Oder hat er, die dritte Möglichkeit, die fraglichen Ausdrücke mit völliger Umkehr der ursprünglichen Bedeutung in der Weise der modernen Metriker seit Bentley so verstanden, daß arsis den guten, thesis den schlechten Taktteil bezeichnet? Westphal gr. Rh. p. 106 ff. behauptet, daß Marius Victorinus im Kapitel de rhythmo dem Sprachgebrauch der griechischen Rhythmiker, im Kapitel de pedibus demjenigen der lateinischen Metriker gefolgt sei, endlich im Abschnitt de arsi et thesi wie die modernen Metriker arsis oder elatio*) den starken, thesis oder positio den schwachen Taktteil genannt habe; von letzterer Ausdrucksweise komme in ciner andern metrischen Schrift der Alten kein weiteres Beispiel vor. Westphal findet v. Jans Zustimmung in der philologischen Rundschau v. 1885. Caesar, Grundzüge p. 68 und im Nachtrag p. 273 ff., sowie im Ind. lect. hib. Marb. 1885 erklürt sich nicht nur bezüglich der beiden fraglichen Kapital, sondern des ganzen Werkes des Metrikers für die zweite Bedeutung. Christ a. a. O. p. 53 scheint dem Marius Victorinus überhaupt den in dritter Linie verzeichneten Sprachgebrauch beizulegen, da er bei den lateinischen Schriftstellern eine vollständige Umkehr des ursprünglichen Begriffes von arsis und thesis zu finden glaubt und von ihnen zwar die Grammatiker Sergius, Terentianus, Pompeius und Atilius ausnimmt, denen er den Gebrauch der fraglichen Ausdrücke in der zweiten Bedeutung vindiciert, den Marius Victorinus aber hierbei nicht erwähnt. Nur an einer Stelle, I 9, 2 findet er bei letzterem die erste und dritte Bedeutung vereinigt.
Von vornherein mutß es auffallend erscheinen, daß, nach Westphal, unser Metriker in drei unmittelbar aufeinander folgenden Kapiteln mit demselben Worte drei ganz verschiedene Begriffe be- zeichnet haben sollte, während doch z. B. die oben ausgeschriebenen Stellen aus dem 9. und 10. Kapitel als eng zusammenhängende Erklärungen sofort in die Augen fallen. So soll also in dem Satze ut modo sublatio unam longam habeat, positio duas, nunc positio unam, sublatio duas longas— sublatio den guten, in dem Satze quia unam partem in sublatione habent, duas in positione, seu contra das- selbe Wort genau das Gegenteil bedeuten! Bei Caesars Erklärungsversuch befremdet der Umstand, daß weniger die Bezeichnung des ersten und zweiten, als des starken und schwachen ĩον τπτοιυνdε am Platze war. Von letzterer Unterscheidung, die doch gerade in den mehr als vierzeitigen Füßen allein eine genügende Erklärung des rhythmischen Verhältnisses geben konnte, erfahren wir in all diesen oft sehr weitschweifigen Definitionen bei Caesars Annahme direkt nichts, während Victorinus selbst in einfachen Füfßzen die Erwühnung des Iktenverhältnisses für erforderlich hielt: horum(des Daktylus und des Anapästes) in arsi et thesi tempus congruit, etiamsi in percussione discrepent syllabae p. 45, 19. Christs Angaben sind offenbar ungenau: die monosemos arsis des Jambus im 10. Kapitel p. 42, 17 kann nicht das starke onuteiov sein, und im 11. Kapitel p. 45, 3 spricht dies Marius selbst mit klaren Worten aus: siquidem in iambo arsis primam brevem... habeat. Dasselbe ist p. 47, 7 der Fall: duamquam in his(in der Dipodie) nonnunquam syllaba pro integro pede in ultima dumtaxat, versus parte accepta propriam impleat thesin. Es bleibt daher nur übrig bezüglich der Auf- fassungen Westphals und Caesars die betreffenden Angaben des Metrikers selbst genauer zu betrachten.
Die Definition von Arsis und Thesis im 9. Kapitel geht durchaus von der Anschauung der Bewegung des Futzes aus: p. 40, 9(syllabae pedes) per arsin et thesin gradientes pro- creant.. p. 40, 14 arsis igitur ac thesis... significant pedis motum. Vortrefflich paßt hierzu das Weitere: est enim arsis sublatio pedis sine sono, thesis positio pedis cum sono. Diese Thatsache streitet aber direkt gegen Westphals Ansicht von der Arsis als dem starken Taktteil nach dem Sprachgebrauch des Metrikers in diesem Kapitel. Da zudem die ursprüngliche Bedeutung der klassischen Zeit wegen der
*) Für arsis hätte Westphal hier den Ausdruck sublatio gebrauchen sollen, der in dem fraglichen
Abschnitt einschließlich des Verbums tollere 17 mal vorkommt; elatio wird nur einmal von der Erhebung der Stimme gebraucht.


