25
Gades, die Insel, hat zwar vor andern keinen Vorzug, aber durch der Bewohner Tüchtigkeit hat sie sich, obgleich am Ende der Welt liegend, zu hoher Blüte emporgeschwungen(III 1, 8 C 140).
Agyptens natürliche Fruchtbarkeit wird erhöht durch ein kunstreiches System von Kanälen und Damm- bauten(XVII 1, 3 C 788). Die früher kaum ersteigbaren UÜbergünge über die Alpen sind durch Cäsar Augustus sicher und gangbar gemacht, soweit es möglich war die Natur zu bezwingen(υααααεαε Thy Huot IV 6, 6 C 204). Die Schiffahrt auf dem unteren Po ist schwierig und die Einfahrt ge- führlich, aber ε&εμσααιαεαια πεερριννεεα νQάα m αμν ναeοαπαιααν(V 1, 5 C 212). Die sorgsame Be- mühung ist noch wirksam(f&rιννμιεινεα εesiomeννασανεν, wo die Natur versagt(ů Gνοες επσπάιμιναονυσπς XVII 1, 3 C 788). So berichtet Strabo noch an zahlreichen Stellen über die Arbeiten der Bewohner für die Melioration von Landstrecken, über die Einführung neuer dem Klima und der Bodenbeschaffen- heit entsprechender Gewächse, die Anlage, Erhaltung und Verbesserung von Kanälen entweder für Be- wüsserung oder zur Schiffahrt mit Hervorhebung der natürlichen Hindernisse oder Erleichterungen der Arbeit, die Bauten von Dämmen und Eindeichungen, Brücken und Straßen, die Herstellung und Er- weiterung von Häfen, das Fahrbarmachen von schwierigen Gebirgswegen und Pässen u. s. w., vergl. III 2, 5 C 143, IV 1, 8 0 183, V 1, 5 G 212, V 1, 11 G 217, V 3, 6 0 233, V 4, 6 0 245, IX 2, 2 C 400, IX 2, 18 C 407, XIV 1, 24 C 641, XV 3, 11 G 731, XVI 1, 9—11 G 740 f., XVII 1, 4 0 788, XVII 1, 10 C 795, XVII 1, 16 C 800, XVII 1, 24 C 804, XVII 1, 26 G 805, XVII 1, 37 0 811, XVII 1, 41 G 813, XVII 1, 45 G 815.
Wegen der Fülle des geschichtlichen Stoffes bei Strabo hat man wohl bisweilen das rein Geo- graphische, das sich bei ihm findet, als den Faden bezeichnet, an den sich die geschichtlichen Einzel- darstellungen anschließen. Beschränkt sich allerdings die Behandlung auf die Wiedergabe eines Peri- plus, wie desjenigen des Artemidor, an dessen einzelne Stationen das Historische in oft loser Weise sich anreiht und mit dem auch die Schilderung des Binnenlandes, gewöhnlich aus einer anderen Quelle entnommen, bäufig nichts Gemeinsames hat, so könnte man diese Ansicht wohl gelten lassen und Strabos Bedeutung vielmehr auf dem Gebiete der Geschichte suchen, das Geographische als Zugabe be- trachten. So ist in der That eine größere Anzahl oft ausführlicher Geschichtsbehandlungen bei ihm zu finden, wo nicht nur das Erdkundliche zurücktritt, sondern sogar völlig fehlt. Ich erinnere allein aus den letzten Büchern an die Ausführungen über die Gründung der Koler XIII 1, 3 C 582, das Schicksal Neu-Iliums in römischen Zeiten XIII 1, 27 C 594, den Beginn und die Entwickelung des pergamenischen Reiches XIII 4, 1 und 2 C 623 f. mit genauer Angabe der Regierungsdauer der ein- zelnen Herrscher, die allerdings sonst bei ihm nicht wiederkehrt, die Regierungen der Tyrannen Poly- krates und Syloson von Samos XIV 1, 16 und 17 C 637 f., die Kümpfe des Attaliden Aristonikus XIV 1, 38 C 646, die Geschichte des halikarnassischen Fürstenhauses XIV 2, 17 C 656 f. und der Ptolemäer in Agypten XVII 1, 11 C 795 f. In XV 1, 27 C 697 f. behandelt er das indische Fünf- stromland an dem Faden des Zuges Alexanders des Großen durch dasselbe, anstatt das Geschichtliche an die Beschreibung des Hauptstromes anzuschließen; dasselbe gilt von dem Rückzuge des Königs durch das Indusgebiet(XV 1, 32 C 700) und Ariane(XV 2, 9 C 724). XVI 1, 19 C 745(über die babylonische Landschaft Adiabene) beginnt mit den Worten:»Adiabene ist größtenteils Ebene,« dann folgt eine Aufzählung der Regierungen des Landes, und die Darstellung schließt mit der Be- merkung:»So beschaffen ist Adiabene.«
Aber ungleich zahlreicher sind diejenigen Abschnitte, wo schon das Wesen der historischen Geographie im Geiste Ritters sich offenbart, eine wechselseitig sich ergänzende Verbindung von Ge- schichte und Erdbeschreibung derart zu sein, daßs jene nach Herders treffendem Ausspruche eine in
Wöhlerschule 1887. 4


