Aufsatz 
Über Strabos Geographica, insbesondere über Plan und Ausführung des Werkes und Strabos Stellung zu seinen Vorgängern
Entstehung
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Das Maß des Wissenswerten und zu Gberliefernden ist für beide in ausgesprochener Weise der Nutzen. Von Strabos Ansichten in dieser Beziehung ist bereits geredet. Bei Polybius denke man an seine weitläufigen Auseinandersetzungen über Heereswesen, Taktik, Handelsökonomie und Politik; er stimmt seinen Vorgängern bei, die die Belehrung aus der Geschichte als die sicherste Schule und Vorübung für die öffentliche Thätigkeit preisen(I, 1). Die Götter sind zu verehren, weil sie Er- finder irgend einer Nützlichkeit sind(Str. I 2, 10 C 23); in plattem Euemerismus sieht er in Kolus gleichsam den ältesten Lotsen(rbον πνροσναμαμενοαα ονυε buεσονε ebendas.), er läßt Danaus Wasser- brunnen in Argos bohren und Atreus astronomische Beobachtungen anstellen. Strabo giebt hierzu nicht allein seine Zustimmung, sondern bringt auch anderwärts in ganz ähnlicher Weise flach-rationalistische Erklärungsversuche. So ist ihm Herakles eine Art Ingenieur: er regulierte durch Anlage von Dämmen und Kanälen den Achelous und trug dadurch wesentlich zur Melioration Ktoliens bei(X 2, 19 C 458). Nüchtern und schal bis zum Übermaß sind auch beider Ansichten über Gott und göttliche Dinge; wie sehr sie sich in ihrem religiösen Indifferentismus gleichen, werde ich an anderer Stelle zeigen ¹).

Beide nehmen in ihrer durch langjährigen Aufenthalt in Rom und Verbindung mit den dortigen angesechenen Kreisen beeinflußzten Denkungsweise eine Mittelstellung zwischen Rom und Hellas ein: sie sind gleichsam in Rom römisch gewordene Griechen, Polybius, um in seinem Geschichtswerke, in welchem die Geographie als wichtigste Hilfsdisciplin erscheint, seinen Lesern ein Bild des allmählich die Herrschaft der Welt einnehmenden römischen Reiches zu entrollen, Strabo, um einesteils als Historiker ²) das Werk seines Vorgäüngers bis zur Beugung des herrschenden Volkes unter den Willen eines Einzigen fortzusetzen, andernteils um als letzter Schriftsteller des Altertums auf dem Gebiete der historischen Geographie das reiche innerhalb des imperium Romanum und der Nachbarländer des Ostens auf- gesammelte erdkundliche Material zum Nutzen derselben Leser zu verarbeiten und darzustellen.

Polybius hat, wie Strabo lobend hervorhebt(I 2, 15 17 C 23 25),»richtige« Ansichten über Homerisches, insbesondere über des Odysseus Irrfahrten, über die Charybdis(I 1, 7 C 4= 1 2, 16 C 25) u. a. m. Nach beiden ist Odysseus von Homer als Inbegriff aller Vollkommenheiten dar- gestellt(Str. I 2, 4 C 17 und Pol. XII, 27). Beiden heißt Homer ein Beweis ihrer überein- stimmenden Wertschätzung desselben auch ohne vorherige Erwähnung einfach»der Dichter« (Str. III 2, 12 C 149 und öfters, Polyb. XII, 27).

Ich will weiterhin einzelnes nicht urgieren, wie daß beide je nach der benutzten Quelle die Entfernungen bald nach dem griechischen Stadienmafße, bald nach römischen Millien bestimmten ¹), oder

¹) S. S. 36.

*) Strabos ioτοονπ³ι νmsuttar« reichten wahrscheinlich bis auf die Schlacht bei Aktium(XI 9, 3 C 515).

¹) Letzteres thut Strabo V 2, 7 C 224 bei der Bestimmung des Umfangs von Korsika, VI 1, 11 C 261 (süditalische Küste vom fretum Siculum bis zum Lacinium), VI 2, 1 C 266(Küste Siciliens), VI 3, 10 C 285 (Ostküste Italiens), sämtlich nach dem Chorographen des Augustus, III 1, 9 C 140(Küste von São Vicente bis Gades), III 5, 3 C 169(Entfernung des Heraklestempels von Gades), IV 1, 3 C 178(römische Heerstraße längs der südgallischen Küste), V 1, 11 C 217(Heerstraße Placentia-Ticinum-Ocelum), VII 7, 4 C 322(via Egnatia), alles ebenfalls sicher nach römischen Quellen. Sonst rechnet er in den weitaus meisten Fällen nach Stadien, 2z. B. bei der Benutzung des Artemidorischen Periplus des Mittelländischen Meeres, bei Baktrien und Sogdiana- nach persischen Parasangen zu 30, 40 oder 60 Stadien(XI 11, 5 C 518), bei Agypten nach Schönen in ver- schiedener Größe je nach den Landesteilen, zu 30, 40(XVII 1, 16 C 800, XVII 1, 24 C 804), 60(XVII 1, 41 C 813) und 120(XVII 1, 24 C 804) Stadien, nach demselben Maße auch einmal bei Armeniens Größenangabe nach Theophanes zu 40 Stadien XI 14, 11 C 530, zweimal in Pontus(XII 3, 8 C 543 und XII 3, 34 C 558[zu