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5. Die Ubungen sind für die Schüler wahlfrei. Der Fachlehrer hat das Recht, ungeeignete Schüler zurückzuweisen.
6. Der Verwalter des physikalischen Kabinetts hat die erforderlichen Apparate in einem besonderen Schranke wohlgeordnet aufzubewahren und bereitzustellen.
7. Die Ubungen sind in möglichst kleinen Schülergruppen vorzunehmen und zwar tunlichst im Anschluß an den Leitfaden von Noack.
Hierzu ist noch folgendes zu bemerken:
Zu 1. Auf dem Gymnasium lassen sich mit geringen Kosten auch chemische Ubungen anstellen, die meist nur mit dem Probierglas auszuführen sind. Die nôtigen Substanzen sind fast überall zu beschaffen nnd leicht vorzubereiten. Hierher gehören noch Untersuchungen an Mineralien und einfache analytische Reaktionen, daneben selbstverständlich physikalische Prüfungen an Mineralien sowie kristallographische Bestimmungen(Winkelmessungen u. dergl.).
Zu 2. Am Gymnasium kann nur in den Oberklassen mit Erfolg praktisch gearbeitet werden, weil hier erst der propädeutische Unterricht der Physik seine volle Wirkung getan hat.
Zu 3. Nur der Fachlehrer jeder Klasse kennt die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schüler weit genug, um die Ubungen wirkungsvoll gestalten zu können.
Zu 4. Der Sommer eignet sich zu Ubungen deswegen so gut, weil Licht und Wärme reichlich vorhanden sind und auch im Freien gearbeitet werden kann, was für viele Aufgaben geradezu notwendig ist.
Zwei hintereinander liegende Stunden sind unbedingt erforderlich, da durch das Aus- und Einbringen der Apparate erheblich Zeit verloren geht. Wir rechnen daher eine Wochenstunde auf das Jahr und verteilen die Stunden im Sommer auf rund 20 Schulwochen.
Zu 5. Nach unseren Erfahrungen eignet sich durchschnittlich ein Drittel jeder Klasse für praktische Ubungen.
Zu 6. Es ist zur glatten Erledigung sehr wichtig, daß die Ubungsapparate gut geordnet und numeriert in besonderen Schränken stehen und nicht mit den übrigen Apparaten vermischt werden. Das hindert natürlich nicht, daß gelegentlich auch andere Apparate benützt werden oder daß die Ubungsapparate im Klassenunterricht verwendet werden.
Zu 7. Die Gruppen sind auf höchstens 4—5 Schüler zu normieren. Einer der Schüler hat die verantwortliche Führung der Gruppe und soll dem Lehrer berichten, wenn Schwierigkeiten eintreten. In dieser Einrichtung zeigt sich eine Art Selbstverwaltung. Im übrigen geht der Lehrer von Gruppe zu Gruppe, leitet die Arbeiten und greift ein, wenn die Schüler nicht weiterkommen.
Die wichtigsten Ubungen im Laufe des Sommers 1911 verteilten sich folgendermaßen auf die einzelnen Klassen:
Ober-Prima.
1. Einfache Messungen an den Gradbogen eines guten Himmelsglobus. Bestimmung von Azimut und Höhe, Rektaszension und Deklination, astronomischer Länge und Breite eines Gestirns. Betrachtung der wichtigsten Sternbilder.
2. Entsprechende Messungen an einer Ringkugel(Armillar-Sphäre). Erörterung über das Horoskop-Stellen der Astrologen(Horoskope von Goethe und Wallenstein).


