Bericht über die an der Anstalt abgehaltenen physikalischen Schülerübun gen.
Physikalische Schülerübungen sind in der Provinz Hessen-Nassau nichts Neues. Bereits in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden in Wiesbaden von Professor Dr. C. B. Greiß(vergl. in der Zeitschrift für Mathematik und naturw. Unterricht Bd. 42, 1911, S. 276 den Artikel über„Traugott Müller und seinen Einfluß auf die Methode“ usw.) ein physikalisches Praktikum eingerichtet, das für die Schüler wahlfrei war. Später wurde die Einrichtung wieder aufgegeben, weil von der Schulverwaltung den betreffenden Lehrern eine entsprechende Entlastung nicht gewährt wurde. Als nun im Jahre 1890 B. Schwalbe auf der 63. Versammlung der Naturforscher und Xrzte in Bremen derartige Schülerübungen wieder anregte, wurde auch hier am Kaiser-Friedrichs-Gymnasium ein Versuch gemacht, über den in der Zeitschrift für phys. und chem. Unterricht V. 109, 1891, näheres berichtet worden ist. Damals mußte man sich noch mit den kleinen Apparaten aus den Experimentierkästen von Meiser-Mertig u. dgl. behelfen. Da es aber auch hier an der nötigen Beihilfe fehlte, so gingen diese Ubungen wieder ein.
Erst seit Ostern 1911 ist es durch Unterstützung der vorgesetzten Behörde möglich geworden, ein Praktikum für die oberen Klassen einzurichten. Zunächst fehlte es freilich wegen einer Verzögerung an geeigneten Apparaten, und so trägt die unten folgende Uber- sicht über die Ubungen noch den Charakter des Sprunghaften. In der Folge wird dies ver- schwinden, da die Fachlehrer sich entschlossen haben, dem wohlabgestuften Lehrgange Karl Noacks zu folgen.(Aufgaben für phys. Schülerübungen, Berlin, Springer 1911, 3. Aufl.) Die Apparate selbst wurden von Leyboldt in Köln bezogen und verdienen alle Anerkennung.
Auf Grund einer Fachkonferenz wurden folgende Grundlinien festgesetzt, die auch die Genehmigung der vorgesetzten Behörde fanden.
1. Die UÜbungen bewegen sich wesentlich auf dem Gebiet der praktischen Mathematik, der experimentellen Physik und Chemie(einschl. Mineralogie), soweit letzteres Fach auf dem Gymnasium Berücksichtigung finden kann.
2. Die Ubungen beschränken sich auf die drei oberen Klassen OII, UI und 01.
3. Jeder Fachlehrer beschäftigt diejenige Klasse, in der er unterrichtet, und bestimmt das durchzuarbeitende Gebiet.
4. Die Ubungen finden nur im Sommer statt und zwar einmal wöchentlich nachmittags von 4—6 Uhr im physikalischen Lehrsaal und auf dem davorliegenden großen Flure; in besonderen Fällen auch auf dem Schulhofe.


