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tragung in den Codex in Unordnung gerieten. Dieses Ur-Ms. mag auch dem Abschreiber der Balliol Handschrift, der nicht viel jünger gewesen sein kann als der Kopist des O Ms., als Vorlage gedient haben; doch hat sich derselbe erlaubt, einige Veränderungen vorzunehmen, die sich freilich mehr auf den sprachlichen Ausdruck als auf den Inhalt beziehen. Was den letzteren anbelangt, so wäre als wesentlicher Unterschied zwischen beiden Handschriften das Fehlen der Stanze 54 im Balliol Ms. hervorzuheben. Dieser Umstand ist offenbar der Unauf- merksamkeit des Schreibers oder Korrektors beizumessen, da wegen der Gleichheit des Re- frains in allen drei Stanzen der Ballade der erste leicht für den zweiten genommen und somit die zweite Stanze ausgelassen werden konnte. Eine besondere Eigentümlichkeit bietet der Imperativ in beiden Handschriften. Von 114 Formen hat Oriel 51 mit der Endung eth(ith), die größere Anzahl kennt das„th“ nicht mehr, ebenso fehlt es durchgängig in B. Hier steht aber bei dem Imperativ noch das Pronomen„you“, selbst wenn es nicht Accusativ ist, wie ffede you 180, saye ye 77, geve you 63 ff. Dies führt uns zu der Annahme, daß zwar B wie O im ostmittelländischen Dialekt abgefaßt ist, daß es aber in einer anderen Gegend des öst- ſichen Mittellandes niedergeschrieben sein muß.
Abgedruckt ist das„Book of Curtesye“ im Typus Nr. 2. Caxton brauchte 8 ver- schiedene Arten von Lettern, welche Blades nach der Reihenfolge ihrer Anwendung mit Typ Nr. 1, 2, 2*, 3, 4, 4* 5 u. 6 bezeichnet hat.*) Seiner Charakteristik der einzelnen Typen habe ich folgende kurze Bemerkungen entnommen:„Der Typus Nr. 2 ist erhabener und analerischer als der Typus Nr. 1. Die großen Buchstaben sind sehr unregelmäßig, einige haben Linien und Häkchen, andere sind ganz einfach. Derselbe zeigt überhaupt viel Ahnlichkeit mit der„gros bâtards“, einem Typ des Colard Mansion. Nr. 2 ist wiederum verschieden von Nr. 2*, einem späteren Druck. Viele Buchstaben sind dünner als diejenigen in 2 und auch in 1, s0 hat beispielsweise das f in 2 ein kühneres und dickeres Aussehen als in 2*. Der größere Teil des Typus Nr. 6 war gemacht aus alten Buchstaben von 2 u. 2*, daher eine gewisse Ahnlichkeit zwischen diesen; indessen ist der Druck im Typus Nr. 6 im ganzen etwas kleiner, 9 Zeilen nehmen denselben Raum ein als 8 Zeilen von Nr 2.“
Da unser Denkmal, wie oben erwähnt, alle Eigentümlichkeiten des Typ Nr. 2 zeigt, diese Gußart aber, wie Blades durch Vergleichung der einzelnen Typen in alten Drucken er- mnittelt hat, nach 1479 kaum noch angewandt worden ist, so muß es vor diesem Jahre, also- in der Zeit von 1476, wo Caxton seine Thätigkeit als Buchdrucker begann, bis 1479 abge- druckt worden sein. Es befand sich früher in der Bibliothek des Bischofs Moore, und zwar neben noch 7 anderen Stücken in einem Bande, welcher den Titel führte:„Old poetry printed by Caxton.“ Lange glaubte man, sämtliche Gedichte seien das Werk eines Verfassers, bis Bradshaw vor einiger Zeit nachwies, daß der betreffende Bd. acht verschiedene Publikationen. enthalte, worauf dieselben dann getrennt und besonders gebunden wurden. Den 1. Platz nahm- Stans puer ad mensam ein, das sich gegenwärtig als Separatabdruck auf der Bibliothek zu-
*) W. Blades, The Life and Typography of W. Caxton, L. 1863.


