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sei, und für ihn bitten, damit er unter Freunden lebe und mit ihnen in Christo selig sterbe.—
Viel umfangreicher als die von mir bisher behandelten Versionen ist das von Furnivall unter dem Titel„Book of Curtesye“ herausgegebene Gedicht. Zum Unterschied von dem vorigen hat er es„Caxton“ genannt und diese Bezeichnung deshalb gewählt, weil es zum ersten Mal von Caxton abgedruckt worden ist. Es zerfällt offenbar in zwei Teile, deren erster mit Stanze 44 abschließt, und in welchem wir nicht das Original sondern eine spätere Bearbeitung desselben vermuten. Da inhaltlich eine große Ahnlichkeit mit dem zulezt ge- nannten Gedicht nicht zu verkennen ist, außerdem sich aber auch solche Gedanken darin ausgesprochen finden, welche entweder der einen oder anderen der früher erwähnten Ver- sionen speciell eigentümlich sind, so dürfen wir wohl annehmen, daß der Dichter dieses„Book of Curtesye“ jene Gedichte gekannt haben muß. Jedenfalls hatte er sie in Lydgate's Schule kennen gelernt. Daß er selbst aber ein Zögling dieser Anstalt war, geht hervor aus Vers 420 ff., wo er sagt:„Loke also upon John Lydgate„my maister“ wylome monke of bery.“* Und lesen wir die Stanzen 53— 55,(nur vollständig im Oriel Ms.) so müssen wir gestehen, ein solch überschwengliches Lob kann nur dem Herzen des dankbaren, von Ehrfurcht und Liebe erfüllten Schülers entstammen. Chaucer erscheint ihm zwar als ein großer poetischer Stern, den er bewundert und preist, der aber erblassen muß vor dem Glanze, den Lydgate's Ruhm ausstrahlt.
Was den 2. Teil anbelangt(St. 45— 76), so bin ich nicht imstande, eine Quelle oder Vorlage nachzuweisen, er scheint des Dichters eigenstes Werk zu sein. In 18 Stanzen besingt er das Lob Chaucer's, Gower's, Occleve's und Lydgate's, der Männer, die er in der Schule lieben gelernt hatte, und ermahnt schließlich den Jüngling, sich in die Sitten der Zeit zu schicken, die Frauen zu achten, das Böse zu meiden und dem Guten nachzustreben. Dieser Teil ist später gedichtet und dann mit dem ersten zu einem Ganzen verschmolzen worden. Daß eine nochmalige Erweiterung beabsichtigt war, beweist V. 517, wo es heißt: In your riper age J shall wryten you here-of the surplusage. Einen Anhaltspunkt für die Abfassungszeit des Book of Curtesye in der uns vorliegenden Form finden wir in dem Umstande, daß der Dichter ein Zögling der Lydgate'schen Schule war. Vielleicht hat er sie bald nach der Eröffnung als 15jähriger Jüngling besucht, so daß sein Geburtsjahr etwa um 1410 anzusetzen wäre. Nun sagt er Stanze 60: As unto my age had bede good morow l'm not able clenly for to gleyne fl. Er beklagt also, wegen vorgerückten Alters und schwachen Gesichts sich litterarisch nicht mehr wie früher beschäftigen zu können, während wiederum nach Zeile 517 die Hoffnung auf ein längeres Leben in ihm noch vorhanden gewesen sein muß. Nehmen wir daher an, der Verſasser sei zu der Zeit, als sich jene körperlichen Gebrechen und geistigen Schwächen fühl- bar zu machen begannen, etwa 60 Jahre alt gewesen, so würden wir uns das Gedicht als um 1470 entstanden zu denken haben. In welcher Lebensstellung er dasselbe niederschrieb, ist nirgends angedeutet, ebenso fehlen jegliche Nachrichten in Gestalt von zeitgenössischen Biogra- Phien oder dgl. Indes dürften die priesterlichen Ermahnungen, denen wir ziemlich häufig be-


