Aufsatz 
a) Rede zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schillers. b) Rede zur Feier des 100jährigen Todestages des Grafen von Zinzendorf
Entstehung
Einzelbild herunterladen

17

.

Genoſſenſchaften trug er die ganze Chriſtenheit auf ſeinem Herzen auf daß ſie Alle Eins ſeien. Darum handelte er in Frankreich mit den Biſchöfen über Union zwiſchen Katholiken und Proteſtanten, in Deutſchland lag ihm Ausſöhnung zwiſchen Lutheranern und Reformirten am Herzen. Ja aus dieſem Zuge nach Einheit ging Manches hervor, was Herzen, durch die der Riß in der Kirche nicht ſchmerzhaft mit hindurchgeht, Wunder nimmt: wie die Herausgabe eines Geſangbuches für katholiſche Chriſten und ſein Briefwechſel mit dem Patriarchen der Kopten in Cairo. Die in vielfachem Sinne weit entlegenſte Kirche der Chriſtenheit lag ſeiner Liebe nicht zu weit. Aber nicht blos die ganze Chriſtenheit, ſondern auch die weite Heiden⸗ welt trug Zinzendorf auf ſeinem Herzen. Er gab, ſeinem Gelöbniß getreu, der Brüdergemeinde die von ihr mit ſolchem Segen verfolgte Richtung auf Heidenmiſſion: 1732 wurden die erſten Miſſionare ausgeſandt. Als die Blanken in Weſtindien, die Weißen, ſeine Miſſionare ins Gefängniß warfen, reiſt der Graf nach Amerika. Die entlaſſenen Gefangenen empfängt er in Gegenwart des ſie begleitenden Officiers mit einem Kuß, weil ſie um des Heilandes willen in Banden geweſen ſeien. Dann ver⸗ tritt er ſie in ihrem Amte. Er arbeitet ſelbſt Wochen lang unter den Negern zu großem Segen. Einige Zeit nachher iſt er von ſeiner älteſten Tochter begleitet in Nord⸗ amerika, mitten unter den Indianern oder unter den dortigen Brüdergemeinden. Er kann kurz vor ſeinem Ende von Tauſenden unter den Heiden ſprechen, die ihm ſtatt der erbetenen Erſtlinge geſchenkt ſind. Jetzt arbeiten 304 Glaubensboten auf 72 Sta⸗ tionen in 14 Provinzen, mit großem Segen: ein Baͤum, unter dem die Völker der Erde wohnen, iſt aus dem Senfkorn hervorgegangen. Und nun noch ein Blick in die Todesſtunde! Danach verlangt uns an dieſem Gedächtnißtage inſonderheit. 5 4129 Die letzte Krankheit entſpann ſich in den erſten Tagen des Mai 1760. Das Bruſt⸗ fieber nahm einen ſchnellen und gefährlichen Verlauf. In den letzten Tagen hatten ſich gegen 100 Brüder und Schweſtern theils in dem Gemach, wo der Kranke lag, theils im Vorzimmer verſammelt. Auch der Jugendfreund vom Pädagogium, Friedrich von Watte⸗ wille, fehlte nicht. Dem im Leben Gemeinſchaft mit den Brüdern das liebſte Gut war, dem ſollte ſie auch nicht in der Sterbeſtunde fehlen. Ich weiß nicht, wie lieb ich Euch alle habe, ſo ſprach er. So bin ich recht in meinem Geſchick. Wir ſind ja wie die Engel zuſammen, als wenn wir im Himmel wären. Und zu Einem der Umſtehenden gewandt fügte er hinznu: Hätteſt Du gedacht, daß Chriſti Gebet, Auf daß ſie alle eins ſeien, ſo ſelig unter uns zu Stande kommen würde? Auch der Heiden gedachte er noch mit ſorgendem, liebendem 3