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Herzen und inbrünſtiger Fürbitte. Am 9. Mai früh gegen 10 Uhr nahte das Ende. Er legte das Haupt zurück und drückte ſich ſelbſt die Augen zu. Unter den Worten des Kirchenſegens: Der Herr erhebe ſein Angeſicht auf Dich und gebe Dir Frieden verſchied Zinzendorf. Die Loſung aber des Tages bei den Brüdern lautete: Er wird ſeine Ernte fröhlich einbringen mit Lob und Dank. Am 16. Mai Abends wurde er begraben. Zwei und dreißig Prediger und Diaconen der Brüdergemeinde, zum Theil aus fernen Erdtheilen, trugen den Sarg, und dazu tönte das liebliche Begräbnißlied des Heimgegangen: Ei wie ſo ſelig ſchläfeſt du und träumeſt ſüßen Traum.
Meine Seele ſterbe den Tod dieſes Gerechten und mein Ende ſei wie ſein Ende— das Gebet geht in dieſem Augenblicke durch die Herzen. Aber, Geliebte, um mit Zinzendorf zu ſterben, müſſen wir zuvor mit ihm leben, müſſen mit ihm das Wort Pauli zum Panier nehmen: In Jeſu Chriſto gilt nichts als der Glaube, der durch die Liebe thätig iſt— mit ihm Gott lieben von gan⸗ zem Herzen und aus allen Kräften und unſern Nächſten als uns ſelbſt— müſſen mit ihm Gutes thun und nicht müde werden. Das iſt es, was der heutige Tag uns predigt, was uns der Verklärte auch noch aus ſeiner Seligkeit ins Herz drücken möchte: nichts anderes als was er einſtens im October 1726, als er wieder das Pädagogium beſuchte, den Scholaren predigte: Gott lieben iſt die ſchönſte Weisheit— nichts anderes als was wir ihm in ſeinem Liede nachgeſungen haben:
Herz und Herz vereint zuſammen,
Sucht in Gottes Herzen Ruh;
Laſſet eure Liebesflammen. Lodern auf den Heiland zu.
Auf Dich, treuer Herr und Heiland, weiſen uns dieſe Worte, und zu Dir kom⸗ men wir und bitten Dich herzlich: Laß dies Gedächtniß deines treuen Jüngers an unſern Seelen geſegnet ſein. Wache über dieſem Hauſe, das deinen Knecht im Leib⸗ lichen und Geiſtlichen groß gezogen hat, ziehe Du alle, die hier aus und ein gehen hinein in ſeinen Glauben, in ſeine Liebe, in ſein Vertranen, auf daß wir Eins ſeien, auf daß Gerechtigkeit und Friede ſich hier begegnen und einander küſſen.
Ja, Du treuſter Freund, vereine Und daß, wie Du Eins mit ihnen, Selbſt die Dir geweihte Schaar, Alſo ſie auch Eines ſein, Daß ſie es ſo herzlich meine, Sich in wahrer Liebe dienen
Wie's Dein letzter Wille war, Und ſich an einander freun!


