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als Mann daran gearbeitet es wahr zu machen und ſich noch in der Todesſtunde daran erquickt. Und dieſer einheitliche Zug erklärt es auch, daß die letzten Jahre ſeines Schulaufenthaltes uns die ganze ſpätere Entfaltung eines reich geſegneten Lebens im Keim und erſter Entwickelung zeigen.
Er ſehnte ſich nach Gemeinſchaft mit einem Kreiſe von Genoſſen, die mit ihm zu Gott beteten, mit ihm Ernſt machten im Halten der göttlichen Gebote. Bei vielen Scholaren fand er dafür kein Verſtändniß, nur Spott über das ſich bildende Collegium sanctum, wie ſie es in ſatiriſchen Anſchlägen nannten. Wenige ſchloſſen ſich zuſam⸗ men. So entſtand der löbliche Orden vom Senfkorn. Ein Ecce Homo mit der Unterſchrift Nostra medela war das Ordenszeichen. Ueberdem trug jedes Mit⸗ glied einen goldenen Ring, in dem Pauli Worte eingravirt ſtanden:„Unſer keiner lebt ihm ſelber.“ Die Ordensbrüder, erzählt Zinzendorf ſpäter, waren nicht einer Religion(oder Confeſſion). Aber ſie ließen es ſich mehr angelegen ſein, einander zum Gehorſam gegen die einſtimmigen Wahrheiten anzufeuern, als über controvertirte Wahrheiten zu ſerupuliren. Die Lehrer und Erzieher wußten wohl nur von gemein⸗ ſamen Zuſammenkünften zum Gebet und warnten in chriſtlicher Weisheit, nicht etwa darin ſchon das Chriſtenthum zu ſetzen, mahnten, daß vor allen Dingen ein Jeder für ſich allein fleißig ſeine Knie vor Gott beuge, ſchützten aber ſonſt den Bund vor den Neckereien der andern Scholaren.*) Ein ganz enges Herzensbündniß ſchloß Zinzen⸗ dorf mit Friedrich Baron von Wattewille aus Bern(am 3. Juni 1713 reci⸗ pirt); beide gelobten vor Gott, aus allen Kräften dereinſt das Werk der Heidenbekehrung zu treiben, angeregt durch die eben damals von dem Halliſchen Waiſenhauſe über⸗ nommene Oſtindiſche Miſſion.„Die tägliche**) Gelegenheit in des Herrn Profeſſor Franckens Hauſe erbauliche Nachrichten aus dem Reiche Chriſti zu hören, Miſſionarios kennen zu lernen— des ſeligen Mannes eigene Munterkeit in des Herrn Werke— haben den Eifer in des Herrn Sache bei mir mächtig geſtärkt.“
8*) Bei ſeinem Abgange übergab der Stifter Francken ein Verzeichniß aller Ordensglieder. Fran⸗ ckes Sohn war nicht unter ihnen, vielmehr ſcheint er ſchon damals Zinzendorfs Gegner gewe⸗ ſen zu ſein. Eine Stelle aus dem oben angezogenen Schreiben lautet: Hr. Prof. Francke weiß, daß ich Ihn in Paédagogio als einen ungezogenen Jungen nicht habe leiden können en und ich weiß mich noch gut zu erinnern, daß ich Ihm 1713 dinunat auf dem Hofe des Pae- dagogii die Loction gelefen. 2 29) Eine beſtimmte Anzahl Scholaren, und wohl immer dieſelben, tieß Francke täglich bei ſich ſpeiſen, und dieſen täglichen Tiſchgäſten des Franckiſchen Hauſes ward, den Andeutungen zu⸗ folge, auch Zinzendorf beigeſellt. Dort hat er auch der aus Oſtindien rückkehrenden Miſſionar Ziegenbalg kennen gelernt.


