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Die erſten Jahre freilich waren böſe. Schon unter dem 8. November 1710 heißt es:„Geſtern ſind dem Grafen von Zinzendorf ſeine Untugenden vom Inſpector vorgehalten. Damit er aber deſto mehr auf ſich Acht gebe, ſo iſt ihm geſaget worden, daß ein jeder Informator, der mit ihm zu thun hätte oder etwas unanſtändiges von ihm ſehen und hören würde, ſolches alles aufzeichnen und nachgehends dem Inspectori übergeben ſollte. Dieſes ſollte zuſammengetragen und nebſt beygeſchriebenem dato erſtlich dem Herrn Professori übergeben und nachgehends auch nach Hauſe geſchickt werden.“ Später iſt von„unterſchiedlichen Extravagantiis“ die Rede. Noch den 16. April 1712 wird geklagt, der Graf ſei excessiv unordentlich, errege hin und wieder durch ſeine Unart in den Claſſen allerhand turbas und ärgerliches Aufſehen. Ja im Herbſt 1712 iſt es ſo weit gekommen, daß man die Angehörigen um Rücknahme bitten will. In einem damals aus Berlin geſchriebenen Briefe des würdigen Baron von Canſtein ſtehen Worte, die für treue, ängſtliche Lehrer, für ringende junge See⸗ len beweglich und tröſtlich zu leſen ſind.„Die Aufführung des jungen Zinzendorf,“ ſchreibt Canſtein,„hat mich recht gekränkt. Es iſt dieſelbige ſo beſchaffen, daß ich alle Hoffnung verliere, daß es auf dem ordentlichen Wege ſollte gebeſſert werden. Viel⸗ leicht thut Gott zu ſeiner Stunde Außerordentliches, wie ich von ſeiner Güte hoffen will. In dieſem Kinde iſt eine Bosheit, die mit der größten Undankbarkeit verknüpft iſt.“— Und doch, dem faſt verzweifelnden, vielleicht zu leicht aufgebenden Menſchen⸗ herzen gegenüber hatte Gottes Barmherzigkeit dieſes Kind zu großen Dingen auserſehen und ſich zu einem auserwählten Rüſtzeuge behalten. Es trat eine ſegensreiche Um⸗ wandlung ein, für die Canſtein bald danken und Gott preiſen konnte, die in ihrem Fortgange Francke ahnen und ausſprechen ließ, daß Zinzendorf zu etwas Großem im Reiche Gottes beſtimmt ſei. Von da ab findet ſich auch nicht die geringſte Erwähnung Z. in den Protokollen der Schule— und der Schülerſtand gehört zu den Ständen, mit deren Gliedern es am beſten ſteht, wenn von ihnen nicht geſprochen wird. Der fromme Zug der Kinderjahre, nun von ſündlichem Beiſatz mehr und mehr befreit, trat wieder mächtig hervor. Die ererbte, anerzogene, kindliche, um nicht zu ſagen kin⸗ diſche Frömmigkeit iſt zur erworbenen, erfahrenen, reifen und bewußten geworden. Immer deutlicher ward das Wort aus dem hohenprieſterlichen Gebete des Herrn: „Auf daß ſie alle Eins ſeien“ die treibende Seele ſeines Betens, ſeines Thuns. Er hat den köſtlich hohen Sinn dieſes Worts ſchon in der Kinderzeit geahnt, er hat
ſcheint iſt Z. über ſeinen Seelenzuſtand in den erſten Jahren auf dem Pädagogio keine allzu deutliche Rückerinnerung geblieben.


