Aufsatz 
a) Rede zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schillers. b) Rede zur Feier des 100jährigen Todestages des Grafen von Zinzendorf
Entstehung
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werden ſollen. Biderwärtig iſt mir darum ein altkluger, blaſirter Knabe, der ſich wegwerfend über Schiller äußert 14 und werth der Züngling, der für Schiller ſchwärmt.

An den Bildungsſtätten deutſcher Zugend muß das Schillerfeſt mit erhöhter und geſteigerter Begeiſterung gefeiert werden und wir, H. u. l. F., haben dazu noch beſondere Verpflichtung. 3

Der Gegenwart iſt es freilich eine geläufige Vorſtellung, das Studium der Mutterſprache und der alten Sprachen mache die Hauptgrundlage der Bildung unſerer Gymnaſien aus: aber nicht zu allen Zeiten war man darüber einig, und vor 150 Jahren war von einem beſondern deutſchen Unterricht an gelehrten Schulen kaum die Rede. Hier auf dem Königlichen Pädagogium war es ſeit der Gründung anders. Sein ehrwürdiger Stifter richtete deutſche, oder wie man ſie damals nannte, oratoriſche Klaſſen ein, eine Bezeichnung, die noch im Namen der oratoriſchen Bibliothek erhalten iſt. Die 1702 gedruckteOrdnung und Lehr⸗Art, wie ſelbige in dem Paedagogio zu Glaucha an Halle eingeführt iſt, hat einen Abſchnitt von der teutſchen Oratoria, weil ſo viel daran gelegen, daß man einen feinen teutſchen Stilum ſchreiben lerne. Und der Genius der deutſchen Poeſie hat ſich dieſem Hauſe dankbar erwieſen. Unter ſeinen Vorſtehern, Lehrern und Schülern ſind namhafte geiſtliche Dichter, welche auf der Harfe Sions Gottes Lob und des Gekreuzigten Liebe geſungen haben: ich nenne nur Zinzendorf und Freylinghauſen, Koitſch, Sturm und Niemeyer. Die weltliche Poeſie hat die Namen eines Houwald, Conteſſa, eines Göckingk und vor allen Bürger's, die alle hier ihre Bildung empfangen, in die Annalen ihres Ruhms eingezeichnet. Sollte ſolche Schule, auf der die Blüthe deutſcher Studien von Anfang an ſich entfaltet, ſolche Schule der Dichter, nicht heute ein hohes Feſt begehn? Aber ſie hat auch zu den beiden größten Dichtern der Nation, zu Schiller und Göthe, ein näheres Verhältniß gehabt. Das jetzt ſo ſtille Lauchſtädt war zu Anfang des Jahrhunderts ein glänzender Sammelpunkt dichteriſcher Größe und gewählter Ge⸗ ſellſchaft. Dort ſpielten im Sommer die von Schiller und Göthe gebildeten Bühnen⸗ künſtler von Weimar, und beide Dichter waren oft perſönlich anweſend. Welche Be⸗ wegung in Halle und Umgegend, wenn namentlich ein neues Schillerſches Drama zuerſt in Lauchſtädt aufgeführt ward. Dann wurden auch die Ausflüge, welche damals Lehrer und Scholaren des Pädagogiums in großem Maßſtabe zu unternehmen liebten, dahin gerichtet: denn wie es in einem Conferenzprotokolle heißt für ſolche Genüſſe ſollte ſelbſt Leipzig nicht zu weit ſein. Und die großen Dichter haben, daß ich ſo ſage, dieſes huldigende Nahen des Pädagogiums erwiedert. Beide haben, Göthe