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zu wiederholten Malen, auf unſerm Hauſe geweilt. Schiller kam auf eine dringende Einladung des Kanzler Niemeyer in den Frühſtunden des 8. Juli 1803 von Lauchſtedt herüber.„Geſtern Abend um halb elf Uhr,“ ſchreibt er an ſeine Gattin,„kam ich von Halle zurück, wo ich mich außer Niemeyers Pädagogium, welches eine kleine Stadt iſt, nicht viel umgeſehen.— Sie haben mich ſehr geehrt.“ Ein damals am K. Päda⸗ gogium angeſtellter Lehrer, dem der Herr ein hohes und friſches Alter geſchenkt*), erinnert ſich noch lebhaft, wie des Dichters hohe Geſtalt neben dem Kanzler unter den Kaſtanien des Vorderhofes wandelte, wie unter anderm das damals eben vollen⸗ dete neue Haus beſichtigt und in der Niemeyerſchen Sommerwohnung vor unſerm botaniſchen Garten ein Feſtmahl bereitet ward.
Ganz natürlich, daß nach dieſer perſönlichen Berührung Schillers früher Tod gerade hier tiefen und ſchmerzlichen Eindruck machte. Der nun auch heimgegangene Spieker hielt ihm am 27. Mai 1805 eine Todesfeier.„Nicht Jeder,“ ſo lautet der Hauptſatz ſeiner Rede,„nicht Jeder lebt in Thaten fort, die dem Ge⸗ ſchichtſchreiber Stoff zu bändereichen Werken geben. Aber mäch⸗ tiger als die That wirkt oft auf die Menſchheit von geweiheten Lip⸗ pen das Wort.“
Und Spieker hat wahr geſprochen. Des Dichters Wort hat mächtig gewirkt, ſeit 54 Jahren iſt ſein Einfluß eher geſtiegen als geſunken, Schillers Wort iſt noch immer lebendig. Und ohne ſein Wort kann es auch heute kein Schillerfeſt geben. So laſſet ſie denn zum Herzen dringen, die bekannten aber immer wieder lieben und ſchönen Töne ſeiner Dichtungen, und legt den Kranz, den einzelne der ausgewählten Gedichte dem Dichter und Sänger flechten, um unſers Schiller Stirn. Laſſet den erſten Act der Jungfrau von Orleans wie in dramatiſcher Lebendigkeit vor euch vor⸗ übergehen. Nicht blos Göthe ſagt ja von dieſem Drama: Es iſt ſo brav, gut und ſchön, daß ich ihm nichts zu vergleichen weiß— ſondern auch der König des Feſtes, dem man an ſeinen Ehrentage Alles zu Liebe thun muß, Schiller ſelbſt hielt es für ſein beſtes Stück und hat ihm zugerufen: Dich ſchuf das Herz, du wirſt unſterblich leben!— Aber auch darum ſchmückt die Jungfrau von Orleans ſo paſſend dieſes Feſt, weil ihre erſte Aufführung in Leipzig im Sommer 1801 dem Dichter eine begeiſterte und wohlthuende Huldigung brachte. Das Haus war ungeachtet des heißen Tages überaus gefüllt, die Aufmerkſamkeit höchſt geſpannt. Kaum rauſchte nach dem
*) Der nun auch am 10. Juni 1860 entſchlafene Paſtor Buttſtedt.


