Aufsatz 
a) Rede zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schillers. b) Rede zur Feier des 100jährigen Todestages des Grafen von Zinzendorf
Entstehung
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Leben gebunden hatten. Ja manche Stellen ſeiner Dramen haben eine Wranoll⸗ Stelle in der Geſchichte der deutſchen Erhebung:

Für ſeinen König muß das Volk ſich opfern,

Das iſt das Schickſal und Geſetz der Welt.

Nichtswürdig iſt die Nation, die nicht

Ihr Alles freudig ſetzt an ihre Ehre.

Solche Worte, und ähnliche aus Tell und andern Dramen, haben die deutſchen Gemüther entzückt und begeiſtert. Schiller hat geiſtig die Freiheitskämpfe mitgefochten. Wahrlich, wer wollte ſich über die Begeiſterung, mit der dieſe Säcularfeier

begangen wird, verwundern, ſie nicht ganz an der Stelle finden, ſie nicht theilen nicht begreifen, daß ein Volk idealer Richtung den Dichter der Ideale feiern muß? Ja in dieſem Kreiſe, wo mich überwiegend blühende Jugend umgiebt, wäre eine Kälte gegen den König dieſes Tages in der That ganz unerklärlich. Denn gerade weil Schiller der Dichter der Ideale iſt, bleibt er der Lieblingsdichter vornehmlich der Jugend. Die Richtung der deutſchen Nation auf das Ideale iſt in ihr am mächtig⸗ ſten, ſie erglüht für das Hohe und Himmliſche am leichteſten. Es gehört zu ihrem Weſen, daß ſie Idealen nachringt, unbekümmert um ihre Möglichkeit, daß ſie mit Frohlocken in den Tod ſtürzt, wenn es gilt eine Idee zu vertreten. Und gewiß, ſo viel mögliche Abirrung uns dieſe Eigenſchaft der Jugend auch bringt, ſo herrlich iſt ſie, wenn man es verſteht, ſie auf große und gute Zwecke hinzulenken. Die Jugend hat noch immer ihre Sturm⸗ und Drangzeit, aus der ſie geläutert hervorgehn muß, und in dieſer liebt ſie vor Allem den jugendlichen Schiller. Denn überaus treffend bemerkte Göthe einmal zu Eckermann über die Räuber:Das war vor 50 Jahren wie jetzt, und wird wahrſcheinlich auch nach 50 Jahren nicht anders ſein. Was ein junger Menſch geſchrieben hat, wird auch wieder am beſten von jungen Menſchen genoſſen werden. Und dann denke man nicht, daß die Welt ſo ſehr in der Cultur und gutem Geſchmacke vorſchritte, daß ſelbſt die Jugend ſchon über eine ſolche rohere Epoche hinaus wäre; wenn auch die Welt im Ganzen fortſchreitet, die Jugend muß doch immer wieder von vorne anfangen und als Individuum die Epochen der Welteultur durchmachen. Und hat der Jüngling dieſe excentriſche Zeit durcheilt, dann hat er ſeine Freude an dem gereiften Schiller, der doch immer ein Dichter der Ideale bleibt. Es iſt die Ingend, welche nicht allein bei Schiller ſtehen bleiben wird, ſondern auch ſtehen bleiben muß, wenn ſie deutſch, wenn ſie geſund iſt. Mag auf ſpäteren Alters⸗ ſtufen dieſe Schwärmerei zur beſonnenen Bewunderung ſich mäßigen, ein Product einer überklugen Frühreife darf das nicht ſein, wenn nicht unſere höchſten Güter gefährdet