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bemerkt ein geiſtvoller Reiſender— begreift ein Deutſcher erſt, wie viel Seele und Schönheitsſinn in die Gewohnheiten des deutſchen Volkes übergegangen iſt. Wir alle ſind Materialiſten, wenn man uns mit großen Dichtern und Denkern vergleicht; aber wir dürfen uns als Aeſthetiker und Idealmenſchen fühlen, ſobald wir den Fuß auf engliſchen Boden geſetzt haben.“ Wohl iſt es uns freilich ſo gegangen und geht uns noch ſo, daß wir in dem Hinblick auf Ideale zu ſehr das Wirkliche und Mög⸗ liche überſehen, daß wir vergeſſen haben, wie eine richtige Verſchmelzung von Idealismus und Realismus das Wohl des Einzelnen und der Völker in rechter Weiſe baut. Schon öfter iſt die Welt weggegeben, während wir in Träumen verweilt. Aber wenn nun einmal nicht alle Gaben und Gottesgeſchenke einer Nation zu Theil wer⸗ den, ſo möchte der deutſche Sinn dieſen ſeinen Idealismus durchaus nicht miſſen und nimmermehr mit der einſeitig praktiſchen Verſtandesrichtung oder gar mit dem Mate⸗ rialismus anderer Völker vertauſchen.
Kaum hat es aber eine Zeit gegeben, in welcher die Richtung auf Ideen(die zum Theil Phantome waren) einſeitiger in Deutſchland aufgetreten wäre, als die Periode, in welcher unſer Schiller zum Jüngling herangewachſen iſt. Sehr paſſend hat man ſie die Sturm⸗ und Drangzeit genannt. Es ging damals durch die befähig⸗ teren Geiſter des deutſchen Volkes eine ungeſtüme Haſt, die Kluft zwiſchen Idee und Wirklichkeit durch neue Syſteme und Theorien der Staats⸗ und Rechtslehre, durch neue Principien der Kunſt und Poeſie, durch neue Methoden der Erziehung zu über⸗ brücken, und ein vielfach verzerrtes und unſittliches Culturleben zur Natur, der beſten Lehrerin, zurückführen. Die urſprünglichen, natürlich gegebenen Verhältniſſe, wie man ſie zum großen Theil erträumte, ſollten einzig und allein für alle Neugeſtaltung Norm ſein. Wahres und Halbwahres und Falſches, Mögliches und Unmögliches kochte in den heißen Köpfen wild durcheinander. Dieſe Sturm⸗ und Drangperiode hat viel Verkehrtes und Gefährliches geboren, viele abſonderliche Käuze in ihren Ori⸗ ginal⸗ und Kraft⸗Genies auftauchen laſſen, an denen das ſpöttiſche Wort des Horatius von Neuem wahr wurde:„Weil Democritus das Genie höher ſtellt als die mühſame Kunſt und die beſonnenen Dichter vom Helicon ausſchließt, ſo läßt ein großer Theil unſerer Dichter Nägel und Haare wachſen, ſucht Einöden und meidet die Bäder.“ Man möchte über die Ausgeburten jener Zeit ſich entſetzen oder über ſie lächeln. Und doch haben wir auch wieder Anlaß, uns vor dieſer Zeit in aller unſerer nüchternen Beſonnenheit zu ſchämen. Denn bei aller Abirrung ward doch wirklich das ganze deutſche Leben von innen aus in eine lebhafte Bewegung für alles Ideale gebracht, von der man in der ganz auf das Reale und Materielle gerichteten frühern Zeit, die
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