Aufsatz 
a) Rede zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schillers. b) Rede zur Feier des 100jährigen Todestages des Grafen von Zinzendorf
Entstehung
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entrichten. Mag es denn ſein 3 daß ein falſcher Geniencultus bachanaliſch mit auftritt, daß Etliche weniger den geläuterten, gereiften Schiller, als Monsieur Gillèrs feiern werden, dem der franzöſiſche Convent das Bürgerrecht verlieh wahrlich, es bleibt überwiegend ſo viel Edles, Großes in dieſer Begeiſterung übrig, daß wir mit ganzem, offenem Herzen uns von ihr hinreißen laſſen wollen. Möchte ſie nur auch in allen Herzen auflodern, auch in ſolchen, die nicht eben gewöhnt ſind, ſich für Geiſtiges und Ueberſinnliches zu entzünden.

Das deutſche Volk betheiligt ſich an der Schillerfeier mit ſo allgemeiner und lebendiger Theilnahme, weil ihm Schiller ins Herz gewachſen iſt, weil es in ihm ein gutes Stück ſeines Weſens erkennt. Nicht ſein ganzes Weſen. Es beklagt, daß die Schöpfungen ſeines Lieblingsdichters ſich nicht mehr, als es der Fall iſt, auf dem Grunde der nationalen Sage und Geſchichte bewegen; als ein von Natur und Anlage frommes und chriſtliches Volk vermißt es eine innigere Stellung zum Evangelium, wenn es den Mangel auch erklärt und liebevoll entſchuldigt. Aber bei dem allem iſt Schillers Genius der idealiſirte Abdruck der Geſammtheit. Die Deutſchen finden ſich in demſelben in verklärter Geſtalt, in geſteigerter Potenz. Denn der Deutſche liebt vor allem die Kraft des Gedankens, das Allgemeine der Begriffe und Vorſtellungen, die Reinheit der Geſinnung, das Großartige der Gefühle, die Energie der Seelen⸗ vermögen, das ethiſche Gepräge. So Ancillon. Und wir fügen in kurzer Zuſam⸗ menfaſſung hinzu: Das deutſche Volk als eine Nation idealer Richtung feiert in Schil⸗ ler den Dichter der Ideale. 8 3

Wenn der Sinn eines Menſchen oder eines Volkes es liebt, ſich neben der unvollkommenen Erſcheinung, die in die Wirklichkeit tritt, auch dieſelbe Erſcheinung in ihrer vollkommenſten Möglichkeit, in ihrer Idee zu denken, wenn ihm die Harmonie zwiſchen Wirklichkeit und Idee oder das Ideal als letztes Ziel menſchlicher Beſtrebung erſcheint, wenn es an der Wahrheit, dem Erkennen und Wiſſen, an dem Schönen an ſich Freude hat, ohne nach Zweck und Nutzen zu fragen, wenn es, ſo es noth thut, im Stande iſt, für Ideen Gut und Leben einzuſetzen: ſo nennen wir eine ſolche Richtung eine ideale. Und daß eine ſolche dem deutſchen Volke zu Theil geworden, dafür zeugen ſchon die Spöttereien anderer Nationen, welche ſolches Pfund nicht empfangen haben. Der Franzos ſpottet über die réveries allemandes, und Napoleon höhnte und haßte die deutſchen Ideologen, die ihm endlich doch den Garaus gemacht. Auch das germaniſche Brudervolk drüben überm Canal iſt anders geartet. Es thut nichts und denkt nichts als für einen praktiſchen Zweck; damit iſt ein guter Theil von dem weggeſtrichen, was wir Poeſie, Wiſſenſchaft, Gemüth nennen.In England