Aufsatz 
Die Mnemonik und Stenographie als Mittel zur leichteren und sicheren Bewältigung des Unterrichtsmaterials in Real- und Höheren Bürgerschulen
Entstehung
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Wahrſcheinlich kam diefe Kunſt durch die zu Athen ſtubi⸗ renden Römer nach Italien; denn ſie hing mit dem eigenthüm⸗ lichen Weſen der griechiſchen und römiſchen Beredſamkeit genau zuſammen. Die 3 Haupiſtellen darüber ſind: Cicero de orat. 2, 8688; Auctor ad Herenn, 3, 16 24; Quintilian. Instit. 10, 1, 11 ff.*) Zu Quintilian's Zeiten 118 n. Ch. waren aber die Mnemoniker ſehr ſelten; denn er ſagt am Schluſſe der an⸗ geführten Stelle, man behaupte zwar, es gäbe noch ſolche Män⸗ ner(Mnemoniker), er habe aber noch keinen geſehen. Mit den ſchönen Künſten und Wiſſenſchaften verlor ſich auch die Mnemonik immer mehr, und zu Karl des Großen Zeiten kannte man ſie gar nicht mehr; dennAlcuin, der gelehrteſte Mann ſeiner Zeit, giebt durch eine Aeußerung in ſeiner Rhetorik zu er⸗ kennen, daß ihm keine Regeln zur Unterſtützung des Gedächt⸗ niſſes bekannt waren. Erſt im 13. Jahrhundert wurde ſie wieder durch Roger Bacon an's Licht gezogen, der eine be⸗ ſondere Abhandlung über die Gedächtnißkunſt ſchrieb, die nie ge⸗ druckt worden iſt und ſich handſchriftlich zu Oxrford befindet. Nach ihm ſchrieb Raimund Lullus ſeinegroße Kunſt. Aber erſt ſeit der Mitte des 14. Jahrhunderts beginnt das In⸗ tereſſe für die Mnemonik ein allgemeines zu werden; alſo zur Zeit, in der die Liebe zu den Studien wieder neu erwacht war und ein lebhafter literariſcher Verkehr auf den aufblühenden Univerſitäten und Akademien ſtatifand.Das mühſame Erler⸗ nen der voluminöſen Geſetzbücher, der Dekretalen ꝛc., ferner die Nothwendigkeit für den geiſtlichen Stand, bei Entſtehung der früheren Religionsſtreitigkeiten ſich mit allen und jeden Beweis⸗ ſtellen aus der Bibel zu verſehen und dieſelben im Nothfall nach Buch und Kapitel zu citiren, mußte wohl von ſelbſt die Docen⸗ ten auf die mnemoniſche Praxis führen. Und wir finden ſeit jener Zeit eine Menge Schrifſteller, die über Mnemonik ſchrie⸗ ben: Im 16. Jahrhundert Lamprecht Schenkel, Mar⸗ tin Sommer, überſetzt von Klüber 1804; der bereits an⸗ geführte Käſtner ſchrieb verſchiedene Schriften über Mnemo⸗ nik; Morgenſtern, De arte veterum mnemonica; Chr. v. Aretin, Theorie der M.; Greg. de Feinaigle, Notice sur la

4, 36 in das 1. Haus, 4. Zimmer getragen und dort auf das 36. Quadrat niedergelegt. Um die Notiz ſpäter von der Gedächtnißtafel wieder abzuleſen, mußte man ſich zunächſt des die Buchdruckerkunſt dar⸗ ſtellenden Bildes des Buches erinnern, dann aber auch noch voll⸗ kommen genau wiſſen, daß dieſes Buch auf dem 36. Quadrat des 4. Bimns im 1. Hauſe des Geſchichtsviertels der mnemoniſchen Stadt ſich efände. 1

*) Siehe Chr. A. L. Käſtner, Ueberſetzung der 3 Stellen bei den Alten von der Gedächtnißkunſt. Leipzig 1805.