Aufsatz 
Über das Apeiron Anaximanders
Entstehung
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sofort als qualitative Einhieit aufgefasst wird. Es ist demnach weder mechanisch noch dy- namisch, weil es beides ist, weder Eins noch Vieles, weil beides. Wie diese Ansicht hier in einem unreifen Standpunkt des Denkens begründet ist, der die Begriffe mechanisch und dynamisch noch nicht genug trennt, so lässt sich auf der anderen Seite wieder ein hölierer Standpunkt denken, der die getrennten wieder auf einander zurückführt. Insofern möchte ich hier noch einmal an die schon besprochene Stelle Metaph. 1, 8, 14 erinnern, wo Aristo- teles aus der mechanischen Einheit des anaxagorischen utru eine dynamische entwickelt.-

Uebrigens finden sich sowohl bei Zeller als bei Ritter Einzelheiten, welche zu dieser Anbslihung ihrer Ansichten hinzuführen scheinen. So behält Zeller die Entwieklung aus dem Urstoff durch Ausscheidung bei, wozu, wie er selbst bemerkt(S. 166) ein Vorenthalten- sein nöthig ist, während dies doch potentiell zu fassen nicht in der Idee Xnaximäânders liegen konnte. Auf der andern Seite sagt Ritter auch einmal(S. 285), das Arr sei nacht der Vorstellungsweise des Anaximander eine Einheit, allein weder erklärt er die Möglichkeit

und Art dieser Einheit weiter, noch gibt er überhaupt diesem Gedanken in seiner ganzen

Darstellung irgend eine Folge, so dass man meinen sollte, die Einheit sei nur eine bexgriff- lehe, in der Idee des Betrachtenden vorhandene gewesen.

AAus diesem gewissermassen 2weidentigen, nicht scharf genug gedachten Character des Leuoie einerseits, und der Seltenheit der Schrift Anaximanders andrerseits begreift sich die Ungenauigkeit und die fast durchgängig irrthümliche Auffassung in den Nepten Späte- rer über Anaximander. Mit Recht schliesst Brandis ¹) aus Diog. Laert. 2,2, dass Anaximan- ders Buch schon zu Apollodor's Zeiten sehr selten war. Ich glaube, man darf behaupten, dass von allen hier als Quelle dienenden Schriftstellern, die jünger sind als Theophrast, Keiner es gelesen hat. Dies geht für Diog. Laert. z. B. schon eben aus der angeführten Stelle hervor. Verner zeigt Simplic. f. 32 nicht nur, wie Brandis bemerkt, dass Simplicius selbst, sondern auch, dass Alexander und Porphyrius das Buch Anaximianders nicht gehabt haben, denn alle drei begründen dort ihre Ansicht über Anaximander nur aus Aristoteles 9). Auch Plut. de plac. philos. 1, 3 verräth seine Unwissenheit durch den thörichten Tadel: Audordre oOb-roc, τμεέμ§8§E1*τ Arrειρον πάιεειον eνsoεν, 69,, 7 7 AAA* rν⁴ς οσμαμεασα. Die Erhebung des Princips über jede individnelle Bestimmtheit bildete jeden⸗ falls einen Grundzug des anaximandrischen Systems und war auch ohne Zweifel von ihm hinreiehend motivirt. Wer also das ganzé System kannte, durfte keine tädelnswerthé Nach- lässigkeit in dieser Unbestimmtheit sehen. Was das dmeipoy ist, hatte Anaximander gesagt, der Pseudo-Plutarch scheint aber nicht daran zu denken, dass dies auch i in anderer Art ge- schehen sein könnte, als Tas er es als irgend einen vorhandenen Stoff bpezeichnet hätte. Man kann aber wohl so urtheilen, wenn man eine Philosophie nur in, Bruchstücken aus abgeleiteten Quellen kennt.

¹) a. a. O. S. 125. *²) cf. Zeller a. a. O. S. 165.