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Naturerklärung denkbar sei. Allein dasselbe gilt auch nach der ànderen Seite hin. Es ist ebenso unwahrscheinlich, dass sich Anaximander schon bis zum Bégriff einer reinen Materisé, die noch Nichts als Materie wäre, im Sinne der aristotelischen ë-n sollte erhoben haben ¹). Und dass Zeller selbst die rein aristotelischen Begriffe des potentiellen und actuellen Seins dem Anaximander octroiren will, darauf habe ich schon oben ²) aufmerksam gemacht. Es gibt von vorn herein einen schiefen Standpunkt, wenn wir die Frage so stellen: ist Xnaxi- mander Dynamiker oder Mechaniker? Man denke hierbei an Thales; dessen Princip ver- langt in seinen Consequenzen unzweifelhaft eine dynamische Durchführung; aber Thales hat das selbst offenbar noch nicht erkannt, ist sich über die Art der Entwicklung nicht klar geworden. Die Fragen nach dem Wesen und Beharren der Qualität, nach der Möglichkeit und Weise des Werdens, waren auch zu Anaximanders Zeit noch gar nicht aufgetaucht, ebensowenig die genaueren Erörterungen über das Verhältniss und Nebeneinanderbestehen von Einheit und Vielheit in Princip und Welt. Damals durfte dies Alles noch in unbe- fangener nicht bis zu den letzten Gründen zurückgeführter Anschauung verschmolzen wer- den. Unter diesen Voraussetzungen wird sich vielleicht die Genesis und Natur des dateiον in liolgander Weise erklären lassen. f Miis eXHIAtatz.J
Apnaximander hielt zunächst fest an der Einheit eines alem besonderen Dasein zu Grunde liegenden Ursprungs der Dinge, auf die ja das philosophische Denken immer hinge- führt wird. Dieser Urgrund muss aber, schloss er, weil die gesammte Mannichfaltigkeit des Daseins aus ihm sich ableitet, auch zugleich die Menge und Verschiedenheit der Dinge in sich begreifen; die Einlteit enthält in sich die Vielheit. Ferner muss, eben der Entstehung aller Einzeldinge aus dem drεοον wegen, auch rückwärts wieder das daeroov aus den Ein- zeldingen entstehen, wenn diese ihre individuelle Existenz aufgeben und sich mit einander verbinden ⁵). Er fragte sich nun weiter: was wird entstehen, wenn alle Dinge in der Welt mit einander vereinigt werden? Das individuelle Wesen der Einzeldinge ist ihre Qualität. wodurch sie zu andern in Gegensate treten; denn alle Qualität bewegt sich in Gegensätzen ⁴). Nun betrachtet Anaximander, wie dies der einfachen Naturanschauung zunächst liegt, die Qualitäten als Resultate der Gesammtdinge, d. h. die Eigenschaften gehen aus von der Ge- sammtmasse eines Dings. Wenn nun verschiedene Dinge mit einander sich verbinden, so sollen sich ihre gegensätzlichen Eigenschaften neutralisiren und zu einem Gesammtzustand
¹) Man vergleiche dazu z. B. die Vorwürfe, die in den oben citirten Scholien zu Arist. Metaph. p. 1069 dem Anaxagoras, Eaipedohes und Demobkrit wegon ihrer Nichterkenntniss der iln⁷ Lenühcht werden.
) S. 6.
³) Vgl. dazu die einzigen erhaltenen eigenen Worte des Anaximander bei Simnl. in Ariate Phys. f. 6: 25 6 dε, Qνοες εοτνoοε 000b, 2d* 1 ꝙ odν eie au re„⁸α kaτ 16 νπεένυ ιςνναι νες avνmν οσιι æνϑ dix ie Kdules xcrd in rod Tdvron rdεεν nouniνονοο⁶ 66 νεασν αν ε̈ονπν wie Simplicius zufügt. 18
¹*) Die Gegensätze sind ihm so in gewisser Art Grundformen der Dinge und treten daher zuerst vei der Weltbildung hervor(cf. Simpl. in Phys. f. 32, b; Plut. ap. Euseb. pr. ev. 1, 8, 2). Eine Ahnliche
Rolle spielen sie ja auch bei andern der ältesten griechischen Philosophen. 2*


