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4ei» ¹) durchaus noch kein Grund, auch die andere Stelle auf den Anaximander zu be- ziehen ²); dagegen folgt aus Arist. Phys. 1, 4 G. unten S. 4) unwiderleglich, dass Aristoteles dem Anaximander jenes Mittelwesen nicht zugeschrieben haben kann. Schleiermacher selbst nun fasst das dreiov als die reine qualitativ unbestimmte und unbestimmbare Materie, ohne alle weiteren Eigenschaften, als dass eben die bestimmten Dinge aus ihr entstehen, und ohne sinnliche Wahrnehmbarkeit, weil nicht unter der Form irgend eines Gegensatzes stehend. Diese letztere Bestimmung der Nichtwahrnehmbarkeit durch die Sinne darf man wohl gleich ganz bei Seite lassen. Eine Ueberlieferung existirt dafür gar nicht, Schleiermacher kommt dazu nur durch Schlüsse aus Stellen des Aristoteles, in denen Anaximander gar nicht einmal genannt ist und deren Beziehung auf ihn von vorn herein ganz zweifelhaft pleibt, auch scheint er sie selbst mehr als eine Consequenz aus Anaximanders Anschauung vom Stand- punkt des Aristoteles aus, was sie auch eigentlich ist, denn als eine wirkliche Lehre Anaxi- manders haben darstellen zu wollen ³). In der Hauptsache dagegen folgen ihm unter den Neueren namentlich Brandis ⁴) und Zeller ⁵); nur nimmt Letzterer an, Anaximander habe nicht s0wohl seinem Urstoff alle Bestimmtheit abgesprochien, als vielmehr ihm keine Be- stimmtheit äusdrücklich beigelegt. In völligem Gegensatz zu ihnen trennt Ritter ⁵) den Anaximander ganz von den anderen beiden älteren Joniern, Thales und Anaximenes, als einen Mechaniker von Dynamikern und sucht in dem dæetooy eine Mischung verschiéden- artiger Bestandtheile oder Urstoffe, aus welcher die einzelnen Dinge rein mechanisch sich ausscheiden sollten. Es scheint bei so wesentlich differirenden Ansichten der besten Autoritäten auf’ diesem Gebiete, dass die ganze Frage noch lange nicht zum Abschluss gebracht ist, und ich will es daher im Folgenden versuchen, einen Beitrag zu ihrer Lösung zu liefern.
Wir wenden uns zuerst an die beste Quelle für unsere Kenntniss der ältesten Philo-
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⁰) Auch dass deι⁸ειιιον folgt, gibt dem Satze durchaus noch keine speciell characteristische Fürbung, wie Haym behauptet, der ganz unntttzerweise Schleiermacher der Unterschlagung dieses Begriffs be- schuldigt; das reicerν adνtas rods duεiν ist ja doch eben nur ein Ausdruck für die Unendlichkeit des Urstoffs.—— 93.
*) Zeller(Philos, der Griechen 1, S. 164) fasst die Sache etwas anders an, als Schleiermacher; er scheint an dem anaximandrischen Ursprung der Worte d 2eεοαιεινειιẽK̃sdO aνταςα τοεσ ο⁷οσασmτσmσι νeυνεαον νν festzuhalten, sagt aber, man könne sie auf das Hauptobject des ganzen Satzes, das ky, beziehen, sodass ein für alle die genannten Physiker gültiger Satz mit den Worten des Einen unter ihnen ausgesprochen ware. Abgesehen davon, dass die Stellung des Satzes das wenig wahrscheinlich macht, ist es desswegen ganz unstatthaft, weil die ebenfalls genannten Philosophen, die das Feuer als Princip annähmen(Heraclit und Hippasus), dieses begrenzt dachten(ff. Diog. Lœrt. 9, 8;3 8, 84); daher fehlt auch das Feuer 2. B. bei Arist. Phys. 3, 4, 203, a, 10. f 171 105 2. 8 Ftino An
³) cf. pesonders seine Ausdrucksweise S. 187 ff., Brandis und Zeller haben sich auch darüber gar nicht erklärt. ⁴) Griech.-Röm. Philosophie 1, 126 ff. ⁵) Philos. der Griechen 1, 158 ff. 3 ⁴) Geschichte der alten Philos. 1, 280 ff. und vorher in der Geschichte der jonischen Philosophie.
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