Aufsatz 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen a. Neckar am 2. und 3. April 1897
Entstehung
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mässen Förderer, wenn auch ausdrücklich hervorgehoben werden muss, dass die Kreis- schulkommission Heppenheim die weitere Entwickelung der Schule in jeder Weise be- günstigte. Fast gleichzeitig mit dieser Neuerung trat auch eine Aenderung in der Organisation der obersten Sehulbehörde ein. Die Grossherzogliche Oberstudiendirektion wurde aufgehoben, und an ihre Stelle trat die Abteilung für Schulangelegenheiten im Ministerium des Innern, die gegenwürtig noch das Schulwesen in Hessen leitet und durch deren Fürsorge und Wohlwollen unsere Schule die Stelle crringen konnte, die sie heute einnimmt

Jedenfalls um sich den Schulverhältnissen im benachbarten Baden und Württemberg anzupassen und Anschluss an andere Schulen zu gewinnen, wurde an Ostern 1875 der Schluss des Schuljahres auf Ierbst verlegt und dadurch die Errichtung der V. Klasse um ein halb Jahr verzögert. Dessenungeachtet wurde bereits vom 1. April ab ein weiterer tüchtiger Lehrer, Emanuel Schmuck aus Wormis, angestellt.

Ehe der Herbst herankam, fand ein abermaliger Wechsel in der Leitung der Anstalt statt. Dr. Birnbaum hatte die Stelle nicht ohne Bedenken übernommen.Eine aus einem überstandenen Nervenleiden zurückgebliebene Reizbarkeit, schrieb er am 26. Juni 1873 an den Bürgermeister Ernst,hat mehrere Krzte, deren gutachtliche Kusserung ich erbeten hatte, veranlasst, mir ein gänzliches Aufgeben des aufregenden Lehrerberufs an- zuraten, während andere geglaubt haben, mich nur vor einer Überanstrengung, namentlich vor der Übernahme einer verantwortungsvollen Direktorialstellung warnen zu müssen, welch letztere in der Regel mit mehr oder weniger Arger verknüpft zu sein pflegt. Seine Bedenken und die Warnung der Krzte erwiesen sich nur zu bald als berechtigt. Hatten sich schon vorher wiederholte Nervenanfälle bei ihm gezeigt, denen er in Erkenntnis seines Zustandes entgegentrat, indem er freiwillig Heilung suchte, so trat das Leiden im Sommer 1875 in verstärktem Masse auf, denn ehe er die einem Kollegen gegenüber geäusserte Absicht ausführte, sich in die Landesirrenanstallt zu Heppenheim a. d. B. zu begeben, musste er dorthin gebracht werden, und er ist duselbst gestorben, ohne dauernde Heilung gefunden zu haben.

Die Verdienste Birnbaums um die Schule können nicht hoch genug angeschlagen werden. Er hat die Grundlagen geschaffen und das Feld geebnet auf dem die Schule aufgebaut werden konnte.Ein hochgebildeter Mann von vielseitigem Wissen, der durch seine natürliche Liebenswürdigkeit jeden schon bei der ersten Begegnung für sich ein- nahm, schreibt uns ein damaliger Kollege von ihm, übersah er in höchst umsichtiger Weise alle Faktoren, die nicht nur für den Augenblick, sondern auch für die Zukunft für das Gedeihen der Anstalt wichtig waren. Während seiner zweijährigen Leitung hatte die Schule einen erfreulichen Aufschwung genommen, dem zunächst ein Stillstand, ja ein kleiner Rückgang folgte.

Um dem häufigen Wechsel in der Leitung der Anstalt und der Rivalität der Lehrer vorzubeugen und andere Misstände zu verhindern, wünschte der Gemeinderat, dass die Konzession und oberste Leitung der Schule dem ersten evangelischen Geistlichen, Dekan Seriba, übertragen werde, der seitherige zweite Lehrer Landgraf dagegen die eigent- liche Direktion der Anstalt übernehmen solle. Die oberste Schulbehörde zögerte mit der Entscheidung bezüglich dieses Gesuchs, weil sie dio Umwandlung der Privatrealschule in eine öffentliche städtische Schule bereits erwog, sich jedoch zuvor von ihrer Lebensfähigkeit und ihren Leistungen überzeugen wollte. Einstweilen sollte die Schule unter den angegebenen Bedingungen in der seitherigen Weise fortgeführt werden.