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im Turnen und Schreiben genommen worden, und nunmehr konnten die Schüler in 3 Klassen erfolgreich unterrichtet werden.
Zur Beaufsichtigung der Schule, sowie zur Schlichtung etwaiger Streitigkeiten wurde eine Realschulkommission gebildet, der folgende 5 Herrn angehörten: der erste evange- lische Geistliche als Vorsitzender(Dekau Scriba), der Bürgermeister als Stellvertreter (Ernst), der erste Lehrer und Dirigent der Anstalt(Dr. Birnbaum) und zwei Gemeinde- ratsmitglieder(Karl Link und Dr. Emil Möricke). Diese Kommission beabsichtigte auch die Konzession für die Fortführung der Schule, die mit dem Weggang Wiedows erloschen war, für sich zu erwerben, um die Stetigkeit der Schule bei einem abermaligen Wechsel in der Leitung nicht zu gefährden. Allein diesem Ansinnen wurde nicht entsprochen, da die Konzession nur an eine bestimmte, hierzu qualifizierte Persönlichkeit erteilt werden konnte. Wie es scheint, ergaben sich auch Differenzen zwischen dem Leiter der Schule und den übrigen Mitgliedern der Realschulkommission, denn die Einholung der Konzession wurde derart verzögert, dass die Oberstudiendirektion dringend daran erinnern musste, weil die Schule sonst nicht länger geduldet werden könne Birnbaum war insbesondere nicht damit einverstanden, dass er als Leiter der Anstalt nicht auch Vorsitzender der Realschulkommission sein sollte, und das Studium der betreffenden Schriftstücke weckt die Empfindung, als ob er eine zeitlang geneigt gewesen sei, die Leitung der Anstalt niederzulegen. Endlich am 12. Februar 1874 konnte die Konzession an Dr. Birnbaum erteilt werden und drei Tage später, am 15. Februar, erliess dieser eine Anzeige im Wimpfener Boten über den Beginn des neuen Schuljahres, in der es betreffs der geplanten Organisation der Schule heisst:„Der Lehrplan der Schule ist auf eine allmähliche Ueber- führung in eine vollberechtigte sechsklassige Realschule 2. Ordnung nach preussischem Muster angelegt“
Am Schlusse des Schuljahrs, am 26. und 27. März 1874, wurde eine öffentliche Prüfung nebst Schlussfeier abgehalten, wozu ein Programm ausgegeben wurde das mit dem städtischen Wappen, einem Adler mit einem Schlüssel im Schnabel, geziert ist.
Das Schuljahr 1874/75 brachte keine nennenswerten Veränderungen, nur war die Zahl der Klassen zu Beginn um eine weitere, die vierte, vermehrt worden Dass es auch hier, wie fast überall, der jungen Pflanze an Angriffen und Verdächtigungen nicht fehlt geht z. B aus einer Anzeige im Wimpfener Boten vom September und Oktober 1874 hervor, worin es nach Ankündigung des Beginns des Winterhalbjahrs heisst:„Zur Be- seitigung einer vielfach vernommenen irrtümlichen Auffassung wird darauf aufmerksam gemacht, dass eine Realschnle 2. Ordnung nach preussischem Muster, wie die unsrige, einer Königlich Württembergischen Oberrealschule entspricht. Unsere Lehrmittel sind durch Anschaffung eines physikalischen Kabinetts und eines chemischen Laboratoriums*) vermehrt worden und unsere Lehrkräfte werden ebenfalls eine Verstärkung erhalten.
Zufolge einer Vereinfachung in der inneren Verwaltung Hessens ging am 1. Juli 1874 der Kreis Wimpfen ein, und es wurde nicht nur das Kreisamt, sondern damit auch die Kreiss hulkommission Wimpfen aufgehoben und mit dem Kreisamt Heppenheim ver- einigt Für Wimpfen war das in mehrfacher Hinsicht ein schwerer Schlag, denn auch noch weitere selbständige Amter gingen nach und nach ein, was für Wimpfen um so empfindlicher ist, als es bei seiner getrennten Lage vom übrigen Hessenland nur mit grossen Opfern an Zeit und Geld verknüpft ist, an den Sitz der Behörden zu gelangen. Durch Eingehen der Kreisschulkommission Wimpfen verlor unsere Schule seinen naturge-
*) Vom Institut Schwarz zu Osthofen, das einging.


