Aufsatz 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen a. Neckar am 2. und 3. April 1897
Entstehung
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Wohnung des Klosterpförtners gedient hatte. Zugleich bot dieser Bau hinreichenden Raum für die in Aussicht genommene allmähliche Erweiterung der Schule. Als Spiel- platz diente der leider etwas abschüssige Raum auf der Westseite, der grösstenteils durch Entfernung der alten Stadtmauern und Ausfüllung des Wallgrabens gewonnen worden ist.

Der Anfang der Schule war zwar, den Verhältnissen entsprechend, nicht ungünstig zu nennen, allein als Privatschule, venn auch durch städtische Mittel unterhalten, hatte sie mit all den Schwierigkeiten zu kämpfen, denen Privatschulen jederzeit ausgesetzt sind. Schon am 1. Februar 1873 musste Reinheimer seine Stelle aufgeben und sein Nachfolger, Florian Berger aus Salatz in der Schweiz, der vom 1. April 1873 an die Stelle versah, reiste in den Sommerferien nach der Schweiz ab, und kehrte nicht mehr nach Wimpfen zurück Gleichzeitig verliess auch Wiedow die junge Anstalt, nachdem er bereits am 12. Mai den Gemeinderat um seine Entlassung gebeten hatte, um eine Stelle als Ober- lehrer an dem städtischen Realgymnasium zu Chemnitz in Sachsen anzunehmen, wo er gegen- wärtig noch thätig ist. Endlich wurde noch Pfarrer Schimpff nach Gettenau in Ober- hessen versetzt, sodass lauter neue Lehrer gewonnen werden mussten. Der Bürgermeister Ernst und der Gemeinderat liesen es sich angelegen sein, tüchtige Kräfte zu bekommen; allein in jener Zeit des allgemeinen Lehrermangels war das keine leichte Aufgabe, zumal die verfügbaren Mittel doch recht gering waren. Als Leiter der Anstalt wurde nach längeren Verhandlungen Dr. Adolf Birnbaum aus Giessen, bis dahin Lehrer fur Mathematik und Naturwissenschaften am Gymnasium zu Büdingen, gewonnen. Von seiner pädagogischen Einsicht und Durchbildung und seiner peinlichen Gewissenhaftigkeit zeugen seine Briefe an den Bürgermeister Ernst, von denen aus einem fſolgende Stelle hier einen Platz finden möge:

Der Matbematiklehrer insbesondere darf sich auf die blossen Unterrichtsstunden nicht beschränken, sondern muss auch auf die Leitung, Überwachung und Korrektur der häuslichen Arbeiten Bedacht haben, und an den Lehrer der Naturwissenschaften treten nicht unerhebliche Zeitansprüche für Vorbereitung und Instandhaltung der Apparate heran, die mitunter für eine einzige Unterrichtsstunde mehrere Vor- bereitungsstunden beanspruchen Abgesehen davon habe ich niemals zu den Lehrern gehört, die mit Leichtigkeit eine grosse Stundenzahl auf ihre Schultern zu nehmen verstehen, und ich glaube, dass man in dieser Hinsicht einen Unterschied machen müssen wird zwischen solchen Lehrern, welche sich bestreben, in der vorgeschriebenen Zeit einen anregenden Unterricht zu erteilen und solchen, welche sich damit be- gnügen, die Schüler während dieser Zeit mit den besonderen Unterrichtsgegenständen mehr oder weniger zu beschäftigen. Wo es sich darum handelt, einer jungen Schule Bahn zu brechen, ist sicherlich ein möglichst intensiver Unterricht von selbst ge- boten; ein solcher erfordert aber ein sorgfältiges Zurechtlegen des Unterrichtsstoffes vor dem Unterrichte mit gewissenhafter Prüfung der vorliegenden Bedürfnisse, womit man es da in der Regel nicht allzustrenge zu nehmen pflegt und wohl auch nicht immer nehmen kann, wo der Lehrer von einer Stunde in die andere hineingesetzt wird.

Birnbaum trat sein Amt am 15. Juli 1873 an; die Lehrfächer des Pfarrers Schimpff über- nahm zur selben Zeit sein Nachfolger Pfarrer Schneider, und am 1. Oktober wurde noch ein weiterer akademischer Lehrer angestellt, nämlich Karl Landgraf aus Söm- merda in der Provinz Sachsen, bis dahin Lehrer an der Realschule zu Gross-Umstadt. End- lich war noch Lehrer Schrauth von der Volksschule als Hilfslehrer für den Unterricht