Aufsatz 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen a. Neckar am 2. und 3. April 1897
Entstehung
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der Horstellung des Deutschen Reiches ohne weiteres nicht rechnen. Indessen wurde doch in Aussicht gestellt, dass der Schule, falls sie sich als bleibendes Bedürfnis erweise, eine gedeihliche Thätigkeit entwickle und als ein förderliches Glied in dem Organfemus des Staates dem allgemeinen Interesse diene, die Aufnahme unter die öffentlichen Schulen des Landes nicht versagt werden würde.

Es galt nun, einen tüchtigen Lehrer zu gewinnen, dem die Genehmigung zur Er- richtung einer Frpatlenſschuſe erteilt würde. Ein solcher fand sich auf ein öffentliches Kusschreiben hin in Ferdinand Wiedow aus Döbbersen bei Wittenberg in Mecklenburg, bis dahin Lehrer am Klose'schen Institut in Heidelberg. Nachdem er bei Grossh. Ober- studien-Direktion einen Lehrplan eingereicht hatte, wurde ihm die Konzession erteilt, und als dann in dem Schulvikar Reinheimer aus Wallerstädten im Kreise Gross-Gerau noch ein dritter Lehrer gewonnen worden war(als zweiter, akademischer Lehrer galt der Rektor der Lateinschule) konnte die Anstalt am 22. April 1872 mit zwei Klassen und 31 Schülern unter der BezeichnungStädtische Real- und Lateinschuloe eröffnet werden.(Bereits zwei Jahre später wurde der Zusatz Lateinschule weg gelassen). Als Hilfslehrer wurden Dekan Seriba für den evangelischen und Pfarrer Wagner für den katholischen Religionsunterricht gewonnen. Unterstellt war die Schule der Kreis- schulkommission Wimpfen, deren Vorsitzender der Kreisrat des Kreises Wimpfen war.

Da die Vorkenntnisse der Schüler äusserst ungleich waren und um den Anforder- ungen und Bedürfnissen einigermassen gerecht zu werden, mussten in jeder Klasse Ab- teilungen eingerichtet werden. Der Lehrplan war derjenige einer Realschule in den unteren und mittleren Klassen, doch fehlte den Schülern der oberen Abteilung eine ge- diegene Gruadlage, sodass der Unterricht für die Lehrer recht anstrengend und aufreibend war und für die Schüler vorerst nicht so fruchtbringend sein konnte, als es wünschenst wert gewesen wäre. Der Unterricht in Latein war nur fakmultativ.

Der erste Lehrer und Direktor erhielt eine Besoldung von 1000 Gulden, der dritte von 700 Gulden; der zweite, der ehemalige Rektor der Lateinschule, musste den Unter- richt unentgeltlich erteilen, erhielt aber als Entschädigung für das Schulgeld der Latein- schüler, das ihm zugeflossen war, jährlich 100 Gulden, womit jedenfalls zugleich die gegen früher erhöhte Arbeit honorirt werden sollte. Die Religionslehrer erhielten je 50 Gulden jährlich. Das Schulgeld betrug 24 Gulden, nach Einführung der Reichswährung 44 Mark. Ueber das Alter der aufzunehmenden Schüler ist in den ersten Veröffentlichungen nichts gesagt; von 1875 bis 1878 wurden Schüler von 9 Jahren an aufgenommen, von 1878 an sollen sie zur KAufnahme in die Realschule das 10. Lebensjahr zurückgelegt haben.

Als Schullokale dienten zwei räumlich weit auseinander liegende Zimmer des

Klosters**), von denen das eine, im oberen Stockwerk gelegen, durch Entfernung von Zwischenwänden aus ehemaligen Klosterzellen gewonnen worden war und das andere als

*) DasKloster, ein ehemaliges Dominikanerkloster, dessen anstossende geräumige Kirche heute als katholische Pfarrkirche dient, war nach dem Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1802 mit der Stadt Wimpfen an Baden gefallen und im folgenden Jahr mit der Stadt an Hessen gekommen. 1818 wurde es röllig aufgehoben und 1838 erwarb die Stadt das Gebäude für die Kaufsumme von 1000 Gulden. Im unteren Geschoss, das einen wohlerhaltenen, gothischen Kreuzgang zeigt, wurden die Volksschulen untergebracht, und das obere, das an der Nordwestecke, nahe der Kire he, einen direkten Zugang von der Strasse aus erhielt, was infolge der Terrainverhältnisse leicht ausführbar war, wurde grösstenteils zu Lehrerwohnungen eingerichtet. Eine ausführliche Beschreibung des Klosters bei D. A. v. Lorent

Wimpfen am Neckar, Stuttgart 1870, Seite 244 259. Vergleiche auch Frohnhäuser, Geschichte der Reichsstadt Wimpfen, Darmstadt 1870. 4