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Der Lehrplan wurde geprüft vom Ortsschulvorstand(aus 5 Personen bestehend, darunter der I. evangelische und der katholische Pfarrer und der Bürgermeister), vom Dekan des evangelischen Dekanats Wimpfen und schliesslich geprüft und genehmigt von der Grossherzoglich Hessischen Bezirksschul-Kommission zu Erbach.
Von den damals benutzten Lehrbüchern mögen erwähnt werden: a) Für Latein: Bröders, Grammatik und Lesebuch, Gröbel für Exercitia und eine Chrestomathie aus römischen Klassikern. b) Für Französisch: Hölders Grammatik und Lesebuch. c) Für Deutsch, Geschichte, Geographie, Naturlehre und Naturgeschichte: Müllers Lehrbuch für Realschulen und Gymnasien.
Im Jahre 1857 wurde die Schule von 14 Knaben besucht, von denen sich nur 2 am lateinischen Unterricht beteiligten, der unterdessen fakultativ geworden war, und zwei Jahre später, als Pfarrer Schimpff den Unterricht übernahm, waren 7 Knaben in der Schule, von denen nur einer Latein lernte. Die Lateinstunden waren auf 3 herabgesetzt und daher betrug die Zahl der Unterrichtsstunden für den Lateiner 35, für die Nichtlateiner 32. Im Jahre 1865 zählen wir wieder 15 Knaben, wovon 3 konfirmiert sind; 1866 werden 11 Knaben erwähnt, unter denen einige von auswärts sein müssen, denn es heisst im„Rechenschafts- bericht“:„Die auswärtigen Schüler werden im Winter bisweilen durch ungünstige Witterung, hohen Wasserstand oder Eisgang im Neckar vom Besuche der Schule abgehalten.“*)
Im letzten Jahre ihres Bestehens 1871/2 besuchen die Lateinschule 12 Kinder vom 11.— 14. Lebensjahre; sie werden im Französischen in 4 und im Lateinischen in 3 Ab- teilungen unterrichtet. Für Latein sind nur 2 Stunden vorgesehen; 2 weitere Stunden werden in diesem Jahr für Geographie und Weltgeschichte verwendet; für Französisch sind 5 Stunden angesetzt. Im ganzen erteilt der Rektor 15 Stunden, in allen andern Stunden sind die Schüler mit den Schülern der zweiten evangelischen Knabenschule ver- eint. Unterzeichnet ist der letzte„Lehrplanderlateinischen(I. evangelischen Knaben-Schule zu Wimpfen a. B, Kreis Wimpfen“ vom Schulvorstand, vom Dekan des evangelischen Dekanats und von der Grossherzoglichen Bezirks-Schulkommission Wimpfen.
Das Schulgeld für die Lateinschüler betrug 2 Gulden(=— 3,43 Mark) und machte einen Teil der Besoldung des Rektors aus.
B. Gründung, Entwicklung und Ausbau der Realschule.
1. Die Privatrealschule.
Das Jahr 1870 brachte Deutschland nicht nur die langersehnte Einigung, sondern auch einen ungeahnten Aufschwung in allen wirtschaftlichen Verhältnissen und daraus folgend eine allgemeine Steigerung des Wohlstandes. Es waren daher die oben erwähnten Bedingungen für die Gründung neuer oder den Ausbau und die Vergrösserung bestehender höherer Schulen vorhanden. So auch in Wimpfen. Kaum war der Friede geschlossen, da traten einige hervorragende Bürger der Stadt, darunter der Bürgermeister Ernst, der Dekan Scriba, der Kaufmann Link und der Apotheker Dr. Möricke zusammen, um die Gründung einer Realschule zu bewerkstelligen. Nachdem der Gemeinderat dafür ge- wonnen worden war und(am 19. September 1871) die zunächst erforderlichen Mittel be- willigt hatte, richtete der evangelische und katholische Schulvorstand von Wimpfen am
*) Die Eisenbahnbrücke über den Neckar oberhalb Wimpfen i. Th, die auch für Fussgänger ein- gerichtet ist, wurde erst im Jahre 1869 erbaut.


