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„In reicher Spende läßt er, voll Vertrauen, Was jeder wünſcht, das Wunderwürd'ge ſchauen.“
Die gehoffte Wirkung bleibt aber auch diesmal aus. Fauſt ſelbſt gerät bei der Erſcheinung der höchſten ſinnlichen Schönheit in Ekſtaſe, er redet von ihr wie Winckelmann vor den griechiſchen Statuen:
„Hab' ich noch Augen? zeigt ſich tief im Sinn Der Schönheit Quelle reichlichſtens ergoſſen? Mein Schreckensgang bringt ſeligſten Gewinn, Wie war die Welt mir nichtig, unerſchloſſen! Was iſt ſie nun ſeit meiner Prieſterſchaft? Erſt wünſchenswerth, gegründet, dauerhaft! Verſchwinde mir des Lebens Athemkraft, Wenn ich mich je von dir zurückgewöhne!— Du biſts, der ich die Regung aller Kraft,
Den Inbegriff der Leidenſchaft,
Dir Neigung, Lieb', Anbetung, Wahnſinn zolle.“
Zu Fauſts Verzückung ſtehen die Bemerkungen der Zuſchauer in einem tragikomiſchen Gegenſatz. Un⸗ fähig zu einem äſthetiſchen Genuß, beurteilen ſie auch das Schöne nach ihren Neigungen und Grillen. Es ſind Menſchen, wie ſie Jarno im„Wilhelm Meiſter“ ſchildert,„die ſich bei den größten Werken der Kunſt und der Natur ſogleich ihres armſeligſten Bedürfniſſes erinnern, ihr Gewiſſen und ihre Moral mit in die Oper nehmen, ihre Liebe und Haß vor einem Säulengange nicht ablegen und das Beſte und Größte, was ihnen von außen gebracht werden kann, in ihrer Vorſtellungsart erſt möglichſt verkleinern müſſen, um es mit ihrem kümmerlichen Weſen nur einigermaßen verbinden zu können.“
Auch dieſer Verſuch Fauſts, andere zu ſeinen Anſchauungen empor zu ziehen, mißlingt. Würde er ihnen, wie Mephiſto in der vorausgehenden Szene, Mittel gegen Sommerſproſſen, Rat in Liebesnöten u. dgl. ſpenden, ſo dürfte er eher auf Beifall und Anſehen rechnen. Seine Enttäuſchung über den Miß⸗ erfolg tritt in der Dichtung nicht in die Erſcheinung, ſie wird verdeckt durch ſeine Begeiſterung für ein neues Ziel, die Verbindung mit Helena. Man ſieht hier wieder, welch hohe Anforderungen der greiſe Dichter an die Selbſttätigkeit des Leſers ſtellte. Denn die Geiſterßzene verlangt, daß man auf Grund von Fauſts Charakter und der ganzen Situation ihm die Empfindungen nachfühlt, welche die Stumpf⸗ heit ſeines Publikums in ihm erweckt. An dieſen eigentümlichen Lakonismus der Dichtung dachte Goethe, als er nach Vollendung des Werks an einen Freund ſchrieb,„es werde gewiß denjenigen erfreuen, der ſich auf Miene, Wink und leiſe Hindeutung verſtehe.“¹)
V.
Die ſymboliſche Bedeutſamkeit der Szenen.
Wie ein Kommentar zu Fauſts Erlebniſſen am Kaiſerhof klingen die Worte, mit denen Goethe, auf den Mißerfolg gewiſſer eigener Bemühungen zurückblickend, in Italien ſchrieb:„Man verdient wenig
¹) An Heinrich Meyer 20. Juli 1831.


