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verfolgte, zu unterhalten. Dabei würde ſich ergeben, daß ſeiner Meinung nach die Finanznot durch die Schaffung des Papiergeldes keineswegs beſeitigt iſt; daß ſich der Gott Plutus auch auf dieſem Wege ſeine Schätze nicht nehmen läßt. Aber der Kaiſer ſah in dem Scheinbrand nur einen Zauberſcherz mit hübſchen Beleuchtungseffekten. Der Gedanke, daß ihm Fauſt damit habe eine Lehre geben wollen, liegt ihm ganz fern..
Sofort bemächtigt ſich Mephiſto des Geſprächs und weiß durch ausgeſuchte Schmeicheleien eine ernſthafte Unterhaltung zu vereiteln. Von ihm iſt der Kaiſer infolgedeſſen ganz entzückt.
„Welch gut Geſchick hat dich hierher gebracht, Unmittelbar aus Tauſend Einer Nacht? Gleichſt du an Fruchtbarkeit Scheherazaden, Verſichr' ich dich der höchſten aller Gnaden. Sei ſtets bereit, wenn eure Tageswelt, Wie's oft geſchieht, mir widerlichſt mißfällt.“
So wird Fauſt gleich am Anfang der Szene als Ratgeber beiſeite geſchoben. Als aber darauf die Wunder des Papiergelds gemeldet werden, verſucht er noch einmal nachdrücklich, ſeine Anſchauungen zur Geltung zu bringen: Die Deckung für das Papiergeld liege in dem Boden. Durch eine großartige Tätigkeit ſollten die Bodenſchätze des Landes nutzbar gemacht werden. In dieſem Sinne ſagt er zu dem Kaiſer
„Das Uebermaß der Schätze, das, erſtarrt,
In deinen Landen tief im Boden harrt,
Liegt ungenutzt. Der weiteſte Gedanke
Iſt ſolchen Reichthums kümmerlichſte Schranke, Die Phantaſie, in ihrem höchſten Flug,
Sie ſtrengt ſich an und thut ſich nie genug. Doch faſſen Geiſter, würdig tief zu ſchauen, Zum Gränzenloſen gränzenlos Vertrauen.“¹)
Der Kaiſer verſteht ihn wieder nicht. Fauſt redet von den Schätzen, die dem Boden durch Arbeit ab⸗ gewonnen werden, der Kaiſer denkt an Schatzgräberei, wie ſie Mephiſto früher in Ausſicht geſtellt hat, und er ernennt Fauſt und ſeinen Geſellen ſozuſagen zu Hoſſchatzgräbern.
„Vertraut ſei euch des Reiches innrer Boden, Ihr ſeid der Schätze würdigſte Cuſtoden.
Ihr kennt den weiten wohlverwahrten Hort, Und wenn man gräbt, ſo ſei's auf euer Wort.“
Fauſt entfernt ſich, nicht um neues Papiergeld zu machen oder Schätze zu graben, ſondern um eine bittere Erfahrung reicher. Nicht er, der das Beſte des Landes und des Kaiſers will, vermag etwas zu erreichen, ſondern der Schelm triumphiert. Bequemer als die Aufforderung zu ernſter Arbeit iſt ja ſein Rat:
¹) Daß in dieſen Verſen eine andre Auffaſſung des Papiergeldes hervortritt als ſonſt, bemerkt auch Baumgart in ſeinem Fauſtkommentar, ebenſo Carrière. Ueberhaupt taucht der Gedanke, daß Fauſt an dem Kaiſer⸗ hofe Enttäuſchungen erlebt, in den Kommentaren hie und da auf, aber ohne daß verſucht würde, die einzelnen Fälle zu einer Einheit zuſammenzufaſſen, wozu doch ſchon das erſte Paralipomenon nötigt.


