Aufsatz 
Goethes Faust am Hofe des Kaisers
Entstehung
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Breiten Flügeln, zum Gewinne Allerſeits ſich hinzuwenden. Rings umgibt ſie Glanz und Glorie Leuchtend fern nach allen Seiten; Und ſie nennet ſich Victorie,

Göttin aller Thätigkeiten.

Vergebens ſucht Fauſt in der Maske des Plutus dem Kaiſer klar zu machen, daß des Plutus Schätze ſo mühelos nicht zu haben ſind, als er ſich in ſeiner Hoffnung auf die Schatzgräberei am Aſchermittwoch einbildet. Das iſt wohl der ernſte Sinn eines Maskenſpaßes, den ſich Fauſt mit dem Kaiſer erlaubt. Man erinnere ſich an die Stelle, wo eine Deputation der Gnomen zu dem als Pan verkleideten Kaiſer kommt und ihn auffordert, die mit Gold und Edelſteinen bis zum Rande gefüllte Schatzkiſte des Plutus ſich anzueignen. Sei doch hier bequem und auf einmal zu haben, was ſonſt mühſame Arbeit im Innern der Erde zuſammenſuche. Als der Kaiſer dieſer Aufforderung folgend, an die Kiſte herantritt, erſchreckt Fauſt durch einen Scheinbrand ihn und das Hofgeſinde.Kiſte ſchlägt zu fliegt fort, heißt es in einer Skizze im Anſchluß an den Brand(Paral. 106).

Aber die Hoffnung des Kaiſers, ſofort und ohne Mühe aus der Geldklemme zu kommen, iſt durch Mephiſtos Verſprechungen ſo angeſchürt, daß Fauſt jeden Verſuch eines Wirkens am Hofe aufgeben müßte, wenn nicht auf der Stelle ein Wunder geſchähe. In dieſen Zuſammenhang gehören die in einem Paralipomenon(113) erhaltenen hämiſchen Worte Mephiſtos:

Er mag ſich wie er will gebärden, Er muß zuletzt ein Zaubrer werden.

Das Zaubermittel, zu dem ſich Fauſt durch die Verblendung des Hoſes drängen läßt, iſt das Papiergeld.

Es iſt eine empfindliche Lücke in der Dichtung, daß der Schluß des Maskenfeſtes nicht darge⸗ ſtellt iſt. Aus den Andeutungen der folgenden Szene ergibt ſich, daß Fauſt noch während des Feſtes den Entſchluß faßt, den Kaiſer ſofort aus der Geldnot zu befreien. Dazu bedarf er Mephiſtos Hilfe. Mit dem betrügeriſchen Unſinn der Schatzgräberei kann dieſer einem Fauſt natürlich nicht kommen; aber der Nieverlegene weiß ein Mittel, das auch einen Klugen betören kann. Mit Fauſts Einwilligung bringt er es dahin, daß der Kaiſer noch während des Feſtes ein Papier unterſchreibt, das dadurch zu Geldes⸗ wert erhoben und in der Nacht vervielfältigt wird. ¹)

Der Gedanke, daß Fauſt an dem Hofe unverſehens zu Mephiſtos Mitteln gedrängt wird, tritt ſchon in der Skizze der Urgeſtalt(Paralip. 63) deutlich hervor. Dort macht Fauſt vor der Audienz die Bedingung:Mephiſtopheles dürfe nicht in den Saal, ſondern müſſe auf der Schwelle bleiben, ferner daß in des Kaiſers Gegenwart nichts von Gaukeley und Verblendung vorkommen ſolle. Als er aber mit ſeinen höheren Forderungen und höheren Mitteln keinen Eindruck auf den Kaiſer macht, ſieht er ſich verlegen nach Mephiſtopheles um,welcher ſogleich hinter ihn tritt und in ſeinem Namen antwortet.

III.

Im Luſtgarten.

Am Aſchermittwoch erlebt Fauſt eine empfindliche Enttäuſchung. Von dem Kaiſer empfangen, bringt er er das Geſpräch auf das Flammengaukelſpiel. Er wünſcht ſich über die Abſicht, die er damit

¹) Vgl. V. 6067 f., 6052 und Eckermanns Bericht vom 27. Dez. 1829. 2