Aufsatz 
Ueber den Aias des Sophokles / von Wilhelm Büchner
Entstehung
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Aias spricht in diesem Monolog kein unwahres Wort; ja an einigen Stellen lässt er seinen Vorsatz fast hüllelos erscheinen. Andrerseits kann nicht bestritten werden, dass manche Sätze so gestaltet sind, dass die Auffassung der beteiligten Personen als die natürliche erscheint, während das, was sich Aias dabei denkt, nur mit einiger Mühe herausgehört werden kann. Nimmt man dazu die bereits betonte mit dem folgenden Monolog merkwürdig contrastirende Ruhe der Sprechweise, so erscheint der Schluss zwingend, dass Aias täuschen will, es aber nicht über sich gewinnen kann, eine Unwahrheit zu sagen.

Auf die Behauptung, eine solche bewusste Täuschung seiner Angehôrigen widerstreite dem Charakter des Aias, ist zwar schon Mancherlei erwidert worden, aber immer noch nicht das Richtige. Wenn Aias sich durch diese List einen Vorteil zu verschaffen suchte, dann wäre das freilich seiner unwürdig nach griechischer Moral so gut wie nach unserer. Aber will er denn das? Wenn er sich im Zelt das Schwert in die Brust gestossen hätte, wie z. B. Hämon in der Antigone, wer hätte ihn denn in aller Welt daran hindern können? Nach den Abschiedsworten an sein Kind zog er sich mit dieser Absicht¹) in das Zelt zurück, aber er erkannte, dass die Ausführung in Gegenwart der Gattin und des Kindes eine Roheit sein würde. Da greift er zur Täuschung, um ihr das Grässliche zu ersparen. Was ist daran auszusetzen? 6*,

Aias charakterisirt seine Rede mit dem Ausdruck sdmνπάχαν˙νμρν πτνεμ. Von einer Xenderung in seinem Charakter und von einer Versöhnung mit Athene, wie Welcker sie aus dem Monolog erschliessen wollte, kann gar keine Rede sein. Der Mann, der sich das Schwert in die Brust stésst, weil er es nicht ertragen kann ohne Rache und im Schimpf zu leben, ist kein andrer, als der es gegen seine Kriegsgenossen erhob. Wie konnte der Dichter es wagen, vor den Athenern einen gefeierten I.andesheros so zum Hades gehen zu lassen?

III. Aias und die Athener.

Die Athener des fünften Jahrhunderts sahen in Aias einen der Ihrigen. In der

Ilias stand es ja zu lesen

AIas 5'ε᷑να LaAεένοςα έ oalena vas,

oiε S'ꝓρ AXSTvX, Toravo H‿αιεςε*). Sein Vater Telamon war nicht ein Sohn des Aegineten Aeakus, sondern des Xttikers Xktäus.) Philäus und Eurysakes, seine Söhne, waren nach Attika ausgewandert.) Jenen verehrte das hochberühmte Geschlecht der Philaiden, das einen Miltiades und einen Kimon die Seinen nannte, als Stammvater,?) Eurysakes hatte in Melite ein Heiligtum?) und scheint gleichfalls als Ahn eines Geschlechts gegolten zu haben.) Und seit der Retorm des Kleisthenes stand die Statue des Aias selbst auf dem Markt unter dem Eponymen der zehn

1) So auch schol. 596. ²) B 557. ³) Pherekydes bei Apollodor III, 12. 6. Eine andere attische Genealogie (Aias Sohn des Theseus) erwähnt Athenäus XIII 557, vgl. Plut. Thes. 29. ¹) Plut. Solon 10.) Herod. VI 35. 6) Die Belege bei Curtius, Stadtgesch. XLVIII.) Ein 7εvo der Eurysakiden wird zwar nicht erwähnt, aber wenn in einer Inschrift des 4. Jahrh.(Töpffer, Attische Genealogie p. 287) gesagt wird, ein Decret des 7νν νανκα εμνεον solle in dem Eurysakeion aufgestellt werden àενςσ έe εl a‿biot αν b)? AAAor o Aνανοομεμνυι(t τν ESSu)- -d⁴(²αιον*), so ist die Vermutung, dass Eurysakes als Stammvater dieses Geschlechts galt, kaum abzuweisen. Denn die Angehörigen des Geschlechts sind als regelmässige Besucher des Heiligtums gedacht. Töpffer(p. 278) hat das nicht genügend berücksichtigt.