Aufsatz 
Ueber den Aias des Sophokles / von Wilhelm Büchner
Entstehung
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Die lange Zeit, die Zahl und Mass nicht kennt, Lässt wachsen nur, um wieder zu vernichten. Nichts ist unwandelbar. Der schwere Eid Zeigt sich als Falscheid, starrer Sinn als Schwäche. Auch ich, der eben noch mein Leid ertrug,

Wie glühend Eisen kalten Wassers Kosen,

Muss durch dies Weib erweicht, jetzt milde reden. Mich jammerts, wenn ich sie als Witwe denke Und meinen Sohn als vaterlose Waise.

So wandr' ich denn zum Bad am Strand der See, Um die Befleckung von mir abzuspülen

Und zu entrinnen jener Gôttin schwerem Groll. An einem Ort, dem Menschentritt nicht naht, Will ich dies Schwert eingraben, das verhasste, Ein Grab ihm grabend, wo's kein Auge sieht. Der dunkle Hades drunten soll's empfangen.

Ist doch, seit meine Hand dies Schwert berührt, Geschenkt von Hektor, unserm schlimmsten Feind, Nur Schlimmes mir vom Griechenheer geworden. Ja, Wahrheit redet jenes alte Wort:

Des Feindes Mitgift sei ein feindlich Gift.

Den Gôttern weichen, Atreus Söhne scheuen Hinfüro also werden wir's verstehen.

Sie sind die Herren: weichen heisst's für uns. Furchtbares weicht dem Range ja und Stärkstes. Der Winter wandernd auf verschneitem Pfad Räumt seinem Platz dem fruchtbeladnen Sommer. Entschwinden muss der öden Nacht Gewölbe, Wenn leuchtend naht der Tag auf lichten Rossen. Auch stärksten Sturmes Weh'n beruhigt wieder Des Meeres Tosen; Schlaf, der Allbezwinger, Muss ledig geben, wenn er lang umstrickt¹).

Wie sollten wir nicht lernen, uns bescheiden?

Ich will's; mir ward ja jüngst die gute Lehre, Wir sollten bei dem Hasse nie vergessen,

Dass Freundſuns werden kann, was jetzt verhasst: Dem Freunde dienend will ich nie vergessen, Dass er's nicht immer sein wird; denn gar treulos Ist für die Menschen meist der Freundschaft Port. Genug, hierüber keine Sorgen. Schnell*)

Geh', Weib, in's Haus hinein und bete,

Dass sich vollende, was mein Herz begehrt. Dieselbe Bitte nahet Euch, Genossen,

Und wenn mein Bruder heimgekehrt, so sagt ihm, Er môge Lieb' erweisen mir und Euch.

Denn ich will jetzo geh'n, wohin ich muss.

Ihr aber thut getreu nach meinem Wiillen,

Bald hôrt Ihr wohl, dass meine Not vorbei.

¹) Das vierte Beispiel ist hervorgerufen durch die Vorstellung von der Meeresruhe im III; so hängt auch 23 innerlich mit II zusammen(xs), weil mit Tagesanbruch oft der Sturm aufhört. Weiter vermag ich mit Kaibel(Hermes III) nicht zu gehen. ²) di& rã‿νςob nach den Scholien für ον τ‿εέανμοοτ.